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20.09.2022

13:35

Kommentar

Das Schlimmste bei der Inflation steht noch bevor

Von: Frank Wiebe

PremiumDie rekordhohen Erzeugerpreise zeigen: Der EZB bleibt kaum etwas anderes übrig, als die Inflationskosten in Rezessionskosten zu verwandeln. Und das macht die Zentralbank bereits.

Fehler in der Kommunikation. dpa

Wolken über der EZB in Frankfurt

Fehler in der Kommunikation.

Wer gedacht hat, dass die Inflation nachgibt, sieht sich getäuscht. Der Sprung der Erzeugerpreise in Deutschland im Jahresabstand um fast 46 Prozent, und – noch schlimmer – in einem Monat um knapp acht Prozent lässt Schlimmes für die Verbraucherpreise befürchten. Letztlich handelt es sich um Kriegskosten. Die Aufschlüsselung zeigt, dass der Sprung direkt oder indirekt auf den Anstieg der Energiepreise zurückgeht.

Die Kosten eines Kriegs oder einer Pandemie kann niemand wegzaubern. Die Frage ist nur, auf welchem Wege und in welcher Verteilung sie bei den Bürgern und Bürgerinnen ankommen. Und selbst darauf hat die Europäische Zentralbank (EZB) kaum Einfluss. Auch die Regierungen tun sich schwer, sinnvollen Einfluss zu nehmen, wie die heftigen Diskussionen etwa über Schulden oder die Gasumlage deutlich machen.

Die klassische Reaktion bei einem derartigen „Angebotsschock“, also einer nicht durch starke Nachfrage, sondern durch knappe Ressourcen und Kapazitäten erzeugten Inflation, ist sehr einfach: abwarten, bis es vorbei ist. So hat die EZB im vergangenen Jahr zunächst auch reagiert. Die Alternative lautet: So viel Nachfrage zerstören, dass sie zum knapperen Angebot passt. Übersetzt heißt das: Betriebe und Arbeitsplätze vernichten, um so die Wirtschaft aufs rechte Maß zusammenzustutzen. Dieser Weg hätte wahrscheinlich die Inflation effektiver bekämpft, aber aus Inflationskosten Rezessionskosten gemacht und sie durch den dauerhaften Verlust von Arbeitsplätzen letztlich noch erhöht.

Abwarten allerdings birgt die Gefahr, dass die Inflation sich verstetigt und damit ebenfalls Zusatzkosten erzeugt. Deswegen war es richtig, dass die EZB trotz der Rezessionsgefahr zuletzt mit einer deutlichen Zinserhöhung gegen die Inflation angegangen ist. Zwar ist in Europa, anders als in den USA, von einer Verstetigung der Inflation, etwa durch steigende Löhne, bisher wenig zu spüren. Aber darauf kann die Geldpolitik, die ohnehin nur mit zeitlicher Verzögerung wirkt, sich nicht verlassen. So wird jetzt doch ein Teil der Inflationskosten in Rezessionskosten verwandelt.

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    Wahrscheinlich hätte die EZB die Zinsen früher anheben sollen. Der größere Fehler aber war im vergangenen Jahr eine allzu sorglos klingende, auf in Krisenzeiten unzuverlässige Modelle vertrauende Kommunikation. Er hat die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigt – und auch das erzeugt Kosten.

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