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19.01.2022

17:38

Kommentar

Das Streben nach Energie-Unabhängigkeit ist eine Illusion

Von: Kathrin Witsch

Die Energiekrise ist ein globales Problem und genau so sollte auch die Lösung aussehen. Was Deutschland braucht, sind internationale Klima-Allianzen.

Nationale Lösungen für ein globales Problem? dpa

Energie

Nationale Lösungen für ein globales Problem?

Seit Jahren fordern Experten, fossile Energieträger zu verteuern, den Kohleausstieg vorzuziehen und den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen. Genau das ist mittlerweile geschehen.

Und es geht weiter: Es gibt in Deutschland einen CO2-Preis, mit der Kohle soll wahrscheinlich schon 2030 Schluss sein, und die Anzahl der Windräder und Solarparks soll sich vervielfachen. Dass Energie dadurch teurer wird, war ebenso absehbar wie politisch gewünscht. Dass allerdings gleichzeitig eine Energiepreiskrise den Weltmarkt erschüttert, nicht.

Überall steigen die Preise für Strom, Öl und Erdgas mit atemberaubender Dynamik. Die Lage ist kompliziert. Auf der einen Seite steigt der CO2-Preis auf europäischer Ebene gerade stark an. Auf der anderen Seite erholt sich die Weltwirtschaft nach der Coronapandemie deutlich schneller als gedacht.

Die Produktionskapazitäten für fossile Rohstoffe, die in den vergangenen zwei Jahren deutlich runtergefahren wurden, weil die Nachfrage fehlte, können da nicht mithalten. Es herrscht also eine Knappheit an Rohstoffen – egal, wohin man schaut.

Für Industrie und Verbraucher ist die Situation mittlerweile mehr als angespannt. Beide Seiten fordern Hilfen von der Politik. Und die liefert: Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck hat Unternehmen und Verbrauchern Subventionen versprochen, um die Situation zu entschärfen. Das Problem ist nur: Der Weltmarkt lässt sich nicht subventionieren. Erst recht nicht in Deutschland mit seinem energiepolitischen Sonderweg.

Knappheit wird die Energiekosten über Jahre steigen lassen

Egal wie viel Geld die neue Bundesregierung jetzt in die angekündigten Hilfen steckt, die Lage wird das nur kurzfristig entspannen. Wir reden von Jahren des Übergangs, in denen wir folgende Ausgangssituation haben: Die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen ist nach wie vor groß, trotzdem wird das Angebot schon heute drastisch verknappt. Das treibt die Energiekosten.

Allein in Deutschland fallen durch einen vorgezogenen Kohleausstieg Unmengen an Leistung innerhalb von ein paar Jahren aus dem Netz. Nicht zu vergessen den Ausstieg aus der Atomenergie, der ebenfalls in diesem Jahr vollzogen sein wird.

Zugleich geht der Ausbau der Erneuerbaren viel zu langsam voran. Und selbst wenn er sich beschleunigt: Das schwache Stromnetz sorgt schon dafür, dass das in den nächsten Jahren nicht ausreichen wird.

Das macht die Situation in einem energiehungrigen Industriestaat wie Deutschland besonders dann schwierig, wenn wir ohnehin schon die höchsten Energiekosten in Europa haben.

Das soll in keinem Fall ein Argument gegen all diese Maßnahmen sein. Sie sind richtig und wichtig und vor allem längst überfällig. Aber was die Bundesregierung verkennt: Das Problem lässt sich nicht im Alleingang lösen.

So könnten Klimaallianzen aussehen

Stattdessen braucht es internationale Klimaallianzen, die sich genau solcher Themen annehmen und an einer Lösung für alle feilen. Denn unter der Energiepreiskrise leidet nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt. Auch in China werden schließlich teilweise Produktionen runtergefahren, weil die Energie schlicht zu teuer ist.

Hier gilt, was viele Experten auch allgemein in Sachen Klimawende anmahnen: Nur zusammen lässt sich diese historische Herausforderung bewältigen. Wenn die Weltgemeinschaft es nicht schafft, den Übergang von einem fossilen Energiesystem auf eine grüne Versorgung so zu gestalten, dass es für Wirtschaft und Verbraucher verkraftbar ist, wird der Umbau mit Sicherheit nicht gelingen.

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