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18.07.2019

20:00

Kommentar

Den Notenbanken droht akute Überforderung

Von: Andrea Cünnen

Die Börsen hängen am Tropf der Notenbanken. Deren Mittel werden noch eine Weile wirken. Doch sollten Märkte und Politik nicht zu viel verlangen.

Die Aktienmärkte in den USA sind stark gestiegen. Sharon McCutcheon on Unsplash

US-Dollar

Die Aktienmärkte in den USA sind stark gestiegen.

Nüchtern betrachtet gibt es kaum einen Grund, dass die Aktienmärkte in den USA aber auch in Europa in diesem Jahr so stark gestiegen sind. Konjunkturindikatoren enttäuschen, und die Gewinnerwartungen an die Unternehmen sinken.

Die Börsen hängen – wieder einmal – am Tropf der Notenbanken. Das gilt vor allem für die USA. Dabei hat die US-Zentralbank (Fed) die Geldschleusen noch gar nicht geöffnet. Sie hat lediglich für Ende des Monats die erste Leitzinssenkung seit der Finanzkrise avisiert.

Nötig ist der Schritt eigentlich nicht. Die US-Wirtschaft wächst zwar weniger stark, aber sie wächst. Der Arbeitsmarkt ist robust, und die Inflation liegt zumindest in der Kernrate – also ohne Lebensmittel und Energie – über dem Fed-Ziel von zwei Prozent.

Doch Fed-Chef Jerome Powell baut vor. Geldpolitik wirkt erst mit der Verzögerung von drei bis sechs Monaten, deshalb setzt Powell schon jetzt ein Signal. Er fürchtet – wie viele Ökonomen und Investoren –, dass der von US-Präsident Donald Trump schon im vergangenen Jahr vom Zaun gebrochene Handelsstreit die Wirtschaft noch stärker belastet.

Die Investoren wiederum setzen auf den „Powell Put“, also darauf, dass sie sich im Zweifel auf die Unterstützung der US-Notenbank verlassen können. Ähnlich sieht es in der Euro-Zone aus, wo die Europäische Zentralbank ebenfalls eine noch lockerere Geldpolitik in Aussicht gestellt hat.

Das kann noch eine Weile gutgehen und die Börsen weiter nach oben treiben. Allerdings müssen die Investoren genau wie die Politik aufpassen, dass sie die Notenbanken nicht überfordern. Umgekehrt gilt aber auch, dass sich die Zentralbanken von Politik und Märkten nicht überfordern lassen dürfen. Gerade in der Euro-Zone haben die Währungshüter nicht mehr viele Mittel zur Verfügung. Die Europäische Zentralbank muss sich ihre Kräfte sehr genau einteilen. Die Gefahr, dass die Investoren am Ende zu lange auf die heilenden Kräfte der Notenbanker vertrauen, ist groß.

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