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15.11.2018

16:30

Kommentar

Der Bitcoin ist erfolgreich dysfunktional

Von: Felix Holtermann

Allen Kassandrarufen zum Trotz ist der Bitcoin zehn Jahre nach seinem Start immer noch da. Doch die Kryptowährung folgt keinem Ökonomik-Lehrbuch.

Seit zehn Jahren ist die Kryptowährung bereits auf dem Markt. imago/Eibner Europa

Bitcoin

Seit zehn Jahren ist die Kryptowährung bereits auf dem Markt.

Es waren harsche Worte: Erst kürzlich hat der US-Professor Nouriel Roubini Kryptowährungen als „die am meisten über-hypte und am wenigsten nützliche Technologie der Menschheitsgeschichte“ bezeichnet. Und er hat recht: Nach klassischen Maßstäben der Ökonomik ist der Markt für Bitcoin und andere virtuelle Münzen dysfunktional.

Ein einziger Preisinformationsdienst, vier Produzentenpools, 20 Börsen, 30 Chefentwickler und 1000 milliardenschwere Erstinvestoren beherrschen den Markt. Das begünstigt Manipulationen und befördert Kursstürze über 13 Prozent wie in den vergangenen Tagen. Von der Vision, Geldhäuser und Notenbanken durch ein partizipatorisches Weltgeld zu ersetzen, ist wenig übrig geblieben.

Geht es nach den Kritikern, dann müsste der Bitcoin-Kurs schon bald auf null fallen. Wegen des horrenden Energieverbrauchs wäre sein wahrer Preis laut Roubini sogar „negativ“. Solcher Tadel begleitet die virtuellen Münzen seit ihrer Auflegung – meist ist er gerechtfertigt.

Wahr ist aber auch: Die Kassandrarufe verhallen seit zehn Jahren ungehört. Die Marktakteure wursteln einfach weiter. Allein in Deutschland wollen drei neue Kryptobörsen starten, soll der erste regulierte Bitcoin-Geldautomat aufgestellt werden und debattiert die Politik über die Förderung der Branche.

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Spätestens jetzt müssten sich die Kritiker eingestehen: Viele Märkte funktionieren fröhlich unperfekt – etwa der Ölmarkt, die Luftfahrt und die Finanzbranche. Sie alle taugen als Vorbild für die Kryptowelt. Dass sie eigenen Regeln gehorcht, ist ihre Stärke.

So pendelte der Bitcoin-Preis seit April um die Marke von 6500 Dollar, während die Weltbörsen auf Achterbahnfahrt gingen. Für manche Anleger war das attraktiv. Ein Streit über die Weiterentwicklung der Blockchain-Technik hat den Kurs nun abstürzen lassen; schon bald könnte er auf 3000 Dollar fallen – oder zur Jahresendrally ansetzen.

Dem Ökonomik-Lehrbuch gehorcht dieses Auf und Ab nicht – die Anlegerfantasie beflügelt es. Der Bitcoin bleibt dysfunktional erfolgreich.

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