Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

06.08.2019

17:28

Kommentar

Der Bitcoin ist kein sicherer Hafen

Von: Michael Brächer

Angesichts der jüngsten Turbulenzen haben Investoren – mal wieder – den Bitcoin als vermeintlichen Zufluchtsort entdeckt. Das kann mächtig schiefgehen.

Der Kurs der virtuellen Währung schwankt stark. Reuters

Bitcoin-Logo

Der Kurs der virtuellen Währung schwankt stark.

Es klingt paradox, aber ausgerechnet die notorisch schwankende Onlinewährung Bitcoin soll ein sicherer Hafen sein. Und tatsächlich: Während die Börsen rund um den Globus in den vergangenen Tagen herbe Verluste verbuchten, legte der Kurs des Bitcoins kräftig zu.

Taugt das virtuelle Geld also als Reservewährung für Anleger, die sich gegen eine weitere Korrektur an den Aktienmärkten wappnen wollen? Von wegen: Mit seinen Kurskapriolen erinnert der Bitcoin eher an einen trunkenen Seemann in einer Hafenkneipe, der sich aufrappelt, nur um ein Bier später der Länge nach vor den Tresen zu knallen.

Die Fans des Bitcoins verweisen auf die Unabhängigkeit der Währung, die sichere Technik und die geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen. Bitcoin seien das neue Gold, so das Versprechen. Doch bei genauer Betrachtung erweist sich das als Seemannsgarn.

Es stimmt zwar, dass über den Bitcoin keine Notenbank wacht. Das bedeutet aber auch, dass es kein stabilisierendes Element gibt, wenn der Bitcoin-Kurs mal wieder in die Tiefe rauscht. Einen virtuellen Super-Mario, der die Märkte mit einem „Whatever it takes“ beruhigen könnte, gibt es in der Bitcoin-Welt nicht.

Und auch mit der technischen Sicherheit des Bitcoins ist es so eine Sache. Die Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk werden zwar in der Blockchain unverrückbar protokolliert. Aber dort, wo das virtuelle Geld in reale Währungen getauscht wird, kommt es immer wieder zu Diebstählen und Hackerangriffen. Dass sich der Weg von gestohlenen Bitcoin nur schwer nachverfolgen lässt, freut Kriminelle und staatliche Hacker – aber auf das Image einer sicheren Wertanlage zahlt es wahrlich nicht ein.

Bleibt noch die vermeintliche Krisenfestigkeit des virtuellen Geldes: Mag sein, dass der Kurs mit anderen Anlageklassen kaum korreliert, wie Bitcoin-Auguren behaupten. Aber die virtuelle Währung ist gerade einmal zehn Jahre alt. Es fehlen langfristige Daten, die dieses Argument untermauern.

Zudem schwankt der Bitcoin-Kurs dermaßen aberwitzig, dass das Onlinegeld kaum zum Werterhalt taugt. Zur Erinnerung: Erst anderthalb Jahre ist es her, da ein Bitcoin noch rund 20.000 Dollar kostete – derzeit sind es, trotz der jüngsten Rally, weniger als 12.000 Dollar.

Als sicherer Hafen taugt der Bitcoin deshalb ganz sicher nicht. Wer schon einmal auf dem Meer in schlechtes Wetter geraten ist, weiß: Was von See wie ein sicherer Hafen scheint, kann sich aus der Nähe als tödliche Falle erweisen, wenn die Wellen brechen. Wer eine Krisenversicherung für sein Portfolio sucht, fährt mit anderen Anlageklassen deutlich besser.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Weber

07.08.2019, 08:36 Uhr

Leider ein schwacher Artikel der sich zu wenig mit den fundamentals der Kryptowährung Nr. 1 beschäftigt hat. Bitcoin steht besser da als je her in den letzten 10 Jahren und ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Hafen als die großen Fiat-Währungen oder andere Assets. Bitte schreiben Sie doch mal einen objektiven Artikel über Bitcoin!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×