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11.01.2019

15:37

Kommentar

Der E-Commerce muss den Retouren-Wahnsinn in den Griff bekommen

Von: Florian Kolf

Die Rücksendungen sind weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Die Onlinehändler müssen das Problem angehen – auch im eigenen Interesse.

Durch die vielen Rücksendungen fallen enorme Mengen an Verpackungsmüll an. © Julian Röder/OSTKREUZ

Retouren

Durch die vielen Rücksendungen fallen enorme Mengen an Verpackungsmüll an.

Um den ganzen Wahnsinn wirklich zu begreifen, müsste man die Pakete, die deutsche Onlinekäufer retournieren, eigentlich mal nebeneinander legen. Nimmt man allein die Retouren von Zalando aus dem Weihnachtsquartal, also voraussichtlich rund 15 Millionen Sendungen, und geht von einer Kantenlänge von etwa 30 Zentimetern aus, ergäbe sich eine Strecke von der Firmenzentrale in Berlin bis nach Dakar im Senegal.

Dass diese Verschwendung von Ressourcen ökonomisch wie ökologisch keinen Sinn ergibt, liegt auf der Hand. Doch mit erhobenem Zeigefinger auf den unverantwortlichen Konsumenten zu schimpfen, der leichtfertig bestellt und wieder zurückschickt, hilft nicht weiter. Sicher gibt es Menschen, die das gesetzlich garantierte Rückgaberecht missbrauchen.

Doch dass es Retouren gibt, liegt auch in der Natur des E-Commerce. Gerade im Modehandel kann der Kunde nicht sicher sein, dass das, was er nach Bildern bestellt hat, in Größe oder Material wirklich seinen Wünschen entspricht. Das war schon zu den Zeiten des Versandhandels nach Katalogauswahl so.

Die Hoffnungen ruhen deshalb auf den Onlinehändlern. Angetrieben durch den Konkurrenzdruck hatten sie es Kunden immer leichter gemacht, Ware zu retournieren, die Rückgabefristen auf bis zu 100 Tage ausgedehnt und kostenlose Rücksendungen beibehalten, obwohl das nicht mehr Pflicht ist.

Doch es ist ein Umdenken zu beobachten. Denn immer stärker zeigen sich die Kehrseiten des ungehemmten Lieferwahns: Verstopfte Innenstädte, Berge von Papp- und Plastikmüll, Vernichtung von Neuware, die durch das Hin- und Herschicken unbrauchbar geworden ist.

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Viele Weihnachtseinkäufe landen als teure Retoure wieder beim Händler. Rückgaben sind von Kunden oft bereits geplant – die Verkäufer wehren sich.

Das wird für die Unternehmen nicht nur zum Imageproblem, es drückt auch auf die Gewinne. Immer kreativer werden sie nun darin, mit besserer Information über die Produkte Retouren zu vermeiden. Denn eins ist klar: Wenn der Handel diese Probleme nicht in den Griff bekommt, wird der E-Commerce an seinem eigenen Erfolg ersticken.

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