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31.05.2019

15:28

Kommentar

Der Einstieg von KKR könnte für Axel Springer der Befreiungsschlag sein

Von: Catrin Bialek

Es wäre ein wagemutiger und kluger Schritt: Axel Springer verhandelt mit KKR über eine großangelegte Beteiligung des US-Investors. Das könnte die Hängepartie des Medienkonzerns beenden.

Firmenanteile könnten an den US-Investor KKR veräußert werden. dpa

Axel-Springer-Hochhaus in Berlin

Firmenanteile könnten an den US-Investor KKR veräußert werden.

Es gehört zu den Gesetzmäßigkeiten der Börse, dass oft nicht die kleinen Erfolgsmeldungen einen Aktienkurs positiv beeinflussen, sondern nur die lauten Paukenschläge. Und wenn gar die Aussicht besteht, dass das Papier von der Börse verschwinden könnte, herausgekauft von einem potenten Investor, dann geht der Aktienwert schier durch die Decke.

Diese Entwicklung ist beim Medienkonzern Axel Springer zu beobachten. Großaktionärin Friede Springer und CEO Mathias Döpfner wollen ihre Firmenanteile von zusammen 45,4 Prozent behalten, die restlichen Aktien will der US-Finanzinvestor KKR kaufen – und das Unternehmen dann vermutlich von der Börse nehmen.

Das wäre ein Befreiungsschlag für Konzernchef Döpfner, der zunehmend unter Druck geraten ist, den Aktionären eine veritable Perspektive aufzuzeigen. Im vergangenen Jahr büßte der Aktienkurs etwa 30 Prozent an Wert ein. Für den erfolgsverwöhnten Manager ist das eine missliche Situation.

Das klassische Nachrichtengeschäft, die Heimat von Axel Springer, ist längst kein Wachstumsmarkt mehr und bedarf hoher Investitionen in Technologien, um die Gunst der Leser zu halten. Dasselbe gilt für das immer stärker werdende Geschäft mit den digitalen Kleinanzeigen.

Auch dort muss Springer investieren und den Nutzern neue Geschäftsmodelle anbieten, um deren Aufmerksamkeit zu halten. Statt für ein kurzfristiges Börsendenken hat Döpfner in letzter Zeit stets für einen langfristigen strategischen Blick plädiert. Aber das hören Anleger nicht gerne.

Ein komplizierter Deal

Der Einstieg des Investors KKR könnte dieser Hängepartie ein Ende bereiten. Insofern ist es ein wagemutiger, aber kluger Schritt, zu dem sich Axel Springer entschieden hat. Noch laufen die Verhandlungen, noch ist der komplizierte Deal nicht perfekt.

Aber Döpfner hat sich nicht zu Unbekannten an den Verhandlungstisch gesetzt: KKR-Mitbesitzer Henry Kravis gilt bei ihm als bekannter und geschätzter Investor. Wenn alles gut läuft, könnte KKR nicht nur in Springers digitale Kleinanzeigengeschäfte investieren, sondern auch Geld für den darbenden Journalismus lockermachen.

Unklar ist bislang, wie weit die Pläne von KKR reichen werden. Zusammen mit TV-Manager Fred Kogel bauen die Amerikaner gerade einen neuen deutschen Film- und Fernsehkonzern auf – quasi aus der Retorte. Könnte Axel Springer dort ebenfalls eine Rolle spielen? Das wird vermutlich erst die Zeit zeigen.

Unklar ist ebenfalls, welche Rolle die beiden Enkel von Axel Springer, die zusammen 9,8 Prozent der Anteile halten, haben werden. Noch sitzen sie nicht am Verhandlungstisch. Aber auch das kann sich ändern. Insofern steht dem Medienkonzern in Berlin ein aufregender und arbeitsreicher Sommer bevor.

Mehr: Stephanie Caspar verantwortet die digitale Zukunft des Medienkonzerns Axel Springer. Die große Bühne überlässt die Betriebswirtin aber lieber anderen. Lesen Sie hier ein Porträt.

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