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10.10.2019

17:46

Kommentar

Der erzwungene Rückzug Zeltners ist eine vermeidbare Blamage

Von: Yasmin Osman

Die Deutsche Bank sorgt mit ihrer Personalpolitik unnötig für Ärger bei der Bankenaufsicht – und Paul Achleitner trägt seinen Teil dazu bei.

Die Personaldiskussion um Jürg Zeltner hat der Deutschen Bank nur Ärger eingebrockt. Reuters

Jürg Zeltner

Die Personaldiskussion um Jürg Zeltner hat der Deutschen Bank nur Ärger eingebrockt.

Konflikte mit der Aufsicht haben sich für Banken noch nie ausgezahlt. Das weiß auch die Deutsche Bank aus eigener leidvoller Erfahrung. Umso erstaunlicher ist es, wie lange das Kreditinstitut den Konflikt um die Berufung von Jürg Zeltner in den Aufsichtsrat hat schwelen lassen. Seit vielen Wochen ist bekannt, dass es gravierende Vorbehalte gegen den Chef des Luxemburger Geldhauses KBL gibt.

Spätestens seit ein anonymer „Topaufseher“ in der „Financial Times“ die Personalie mit drastischen Worten kritisierte, war klar, dass die Bank eine Alternative für Zeltner benötigt. Und da der Konflikt auf offener Bühne ausgetragen wurde statt im stillen Kämmerlein, ließ sich die ganze Affäre auch nicht mehr gesichtswahrend heilen.

Die Verantwortung für diesen peinlichen Schnitzer trägt der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner. Dem Österreicher muss von vornherein klar gewesen sein, dass die Bank mit Zeltners Berufung ein hohes Risiko eingeht. Dass die Bankenaufsicht große Vorbehalte gegen Aufsichtsräte hegt, die an anderen Geldhäusern beteiligt sind oder in deren Vorstand sitzen, ist bekannt.

Es steht sogar in den offiziellen Richtlinien der Europäischen Zentralbank. Und Zeltner ist nicht nur Chef der Luxemburger KBL, er hat in das Institut auch nennenswert investiert. Es ist gut geübte Praxis, in solchen Zweifelsfällen informell bei der Bankenaufsicht vorzufühlen, ob es ein Stirnrunzeln oder ein freundliches Augenzwinkern gibt. Erst dann machen Profis so eine Personalie öffentlich.

Umso erstaunlicher ist es, dass Achleitner in der Causa Zeltner voll ins Risiko gegangen ist. Entweder hat der Aufsichtsratschef hoch gepokert und gehofft, die Aufsicht würde nur bellen, aber nicht beißen. Oder er hat den Aufsehern die Drecksarbeit überlassen, weil er nicht wagte, den Großaktionären aus Katar reinen Wein einzuschenken, deren Vertreter Zeltner ist. Sicher ist nur: Der Deutschen Bank hat Achleitner mit dieser Aktion in einer ohnehin schwierigen Lage unnötig geschadet.

Mehr: Die digitale Revolution wird das Berufsbild des Bankers umkrempeln, und die Anpassung wird sehr schmerzhaft. Ein Job bei der Bank ist nicht mehr so sicher wie zuvor.

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