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06.12.2018

17:14

Kommentar

Der Euro kann dem Dollar nicht ernsthaft Konkurrenz machen

Von: Ruth Berschens

Die Bedeutung einer Währung lässt sich nicht verordnen. Der Dollar ist konkurrenzlos, solange der EU-Kapitalmarkt ein Zwerg bleibt.

Die europäische Gemeinschaftswährung kann die Dominanz des Dollars nicht brechen. Reuters

Dollar und Euro

Die europäische Gemeinschaftswährung kann die Dominanz des Dollars nicht brechen.

Die Dominanz des US-Dollars ist für die Weltwirtschaft zu einem strukturellen Problem geworden – spätestens seit Donald Trump im Weißen Haus das Sagen hat. Der US-Präsident missbraucht die Währung als Waffe, um anderen Ländern ohne Not schweren ökonomischen Schaden zuzufügen. Die Iran-Sanktionen können ihre zerstörerische Wirkung voll entfalten, weil es keine echte Alternative zum Greenback gibt.

Darunter leidet Europa – und die Schwellenländer leiden in anderer Hinsicht noch viel mehr. Weil der US-Präsident mit seiner expansiven Fiskalpolitik mitten in der Hochkonjunktur Zinsen und Dollarkurs in die Höhe treibt, fließt im großen Stil Kapital nach Amerika – und Länder wie die Türkei oder Argentinien stürzen finanziell ab.

Die Weltwährung liegt in der Hand eines einzelnen Mannes, dem die Weltwirtschaft herzlich egal ist. Für diese gefährliche Situation sind nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Europäer verantwortlich. Sie verfügen über eine Währung mit globalem Potenzial – doch das schöpfen sie nicht aus.

Dem Dollar ernsthaft Konkurrenz machen kann der Euro nur dann, wenn der europäische Kapitalmarkt amerikanische Dimensionen erreicht. Davon ist die EU sehr weit entfernt, vor allem, weil sie krampfhaft an ihrer Kleinstaaterei festhält: Jedes Land hütet eifersüchtig seine nationale Finanzmarktaufsicht. Eine Vielzahl nationaler Vorschriften behindert grenzüberschreitende Kapitalströme.

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Für Washington ist der Dollar weltweit ein Druckmittel. Die EU will sich davon lösen und den Euro auf der globalen Zahlungsmarkt stärken.

Die EU-Kommission kämpft dagegen vergeblich an. 13 Gesetzesinitiativen hat sie seit 2014 vorgeschlagen, um die Kapitalmarktunion zu stärken. Nur drei davon wurden beschlossen.

Statt selbst etwas zu tun, appelliert die EU an die Wirtschaft: Sie möge Geschäfte mit Flugzeugen, Energie und Rohstoffen doch künftig nicht mehr in Dollar, sondern in Euro abrechnen. Doch die Bedeutung einer Währung lässt sich nicht par ordre du mufti verordnen. Solange der europäische Kapitalmarkt ein Zwerg bleibt, wird aus dem Euro kein Riese werden.

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