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13.06.2018

17:07 Uhr

Kommentar

Der Milliardendeal von AT&T nutzt der Telekom

VonNina Jeglinski

Die Übernahme von Time Warner wird die Top-Manager von AT&T erst mal beschäftigen. Diese Zeit kann T-Mobile zur Kundenakquise nutzen.

Der Mobilfunkanbieter darf Time Warner übernehmen – für manche ein Ärgernis, für andere eine Chance. Reuters

Das Gebäude von AT&T in Los Angeles

Der Mobilfunkanbieter darf Time Warner übernehmen – für manche ein Ärgernis, für andere eine Chance.

Es ist eine wegweisende Entscheidung. Der Mobilfunkriese AT&T darf den Medienkonzern Time Warner übernehmen. Mit einem Federstrich hat ein Bundesrichter das Veto von Präsident Donald Trump vom Tisch gewischt.

Die Auswirkung wird auch in Deutschland zu spüren sein. Der Entscheid spielt der US-Tochter der Deutschen Telekom in die Hände. Allerdings nicht bei deren Akquisition von Sprint. Die Richter sagen lediglich, dass „horizontale“ Übernahmen erlaubt sind. Kommen Unternehmen wie AT&T und Time Warner aus verschiedenen Branchen, kann von Marktmacht nicht die Rede sein. Bei T-Mobile und Sprint handelt es sich aber um eine „vertikale“ Akquisition.

Dennoch ist der Richterspruch für T-Mobile USA eine gute Nachricht. AT&T ist – neben Verizon – Marktführer im US-Mobilfunkmarkt. Die Akquisition wird AT&T ablenken. Statt sich um die Handy-Kunden oder den Ausbau des 5G-Netzes zu kümmern, werden sich die Topmanager mit der Integration herumschlagen. Das bietet dem T-Mobile-Chef die Gelegenheit, das zu tun, was er am besten kann: den Rivalen Kunden abzujagen.

Der Deal birgt auch Gefahren

Andererseits könnte der Deal aber auch für Probleme sorgen. T-Mobile braucht Medieninhalte. Die Menschen wenden sich vom Kabelfernsehen ab, schauen ihre Fernsehsendungen oder Filme lieber auf dem Handy oder Tablet. AT&T könnte Inhalte wie „Game of Thrones“ oder Filme wie „Batman“ Anbietern wie T-Mobile vorenthalten, um Kunden auf das eigene Netzwerk zu zwingen. Nur lassen die sich ungern rumschubsen, es wäre also eine riskante Strategie.

Zudem liegt es im Interesse von HBO oder Warner Brothers, möglichst viele Vertriebsplattformen zu erreichen. Auch würde AT&T mit solchen Muskelspielen eine Klage des US-Justizministeriums riskieren.

Die Freigabe des AT&T-Deals ist für die Deutsche Telekom und deren US-Tochter in jedem Fall eine gute Nachricht. Jetzt gilt es, diese auch zu nutzen.

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