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05.10.2018

14:30

Kommentar

Der Rodungsstopp im Hambacher Forst ist für RWE ein Fiasko

Von: Jürgen Flauger

Der überraschende Richterspruch aus Münster ist für den Energiekonzern fatal. Nicht nur der wirtschaftliche Verlust für RWE ist enorm.

Hambacher Forst: Rodungsstopp ist für RWE ein Fiasko – ein Kommentar dpa

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz

Erlebt mit dem Rodungsstopp im Hambacher Forst ein Desaster.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz erlebt im Hambacher Forst ein Fiasko. Umweltschützern ist es gelungen, die Rodung des Waldes per Eilantrag zu stoppen. Damit droht dem Konzern nicht nur ein hoher wirtschaftlicher Schaden – auch das Imagedesaster ist endgültig perfekt.

Gerade als Schmitz und RWE dachten, sie hätten den Widerstand der Umweltschützer gebrochen, wurden sie noch blockiert. Am vergangenen Dienstag hatte die Polizei das letzte der 86 Baumhäuser geräumt, mit denen Umweltaktivisten die Rodung des Waldes seit Jahren verhinderten.

Schon in Kürze sollten die Bäume gefällt werden, um Platz für die Braunkohlebagger zu schaffen. Dann gab aber das Oberverwaltungsgericht Münster einem Eilantrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) statt, der mit Verweis auf schützenswerte Fledermäuse die Rodung verhindern will.

Es handelt sich zwar nur um einen Eilantrag. Für RWE ist aber schon der Aufschub fatal. Bis eine Entscheidung in der Hauptsache fällt, werden Monate vergehen. RWE wird vermutlich in diesem Winter nicht mehr roden können.

Das wäre aber nach Darstellung des Konzerns nötig gewesen, um die Produktion am Laufen zu halten. In einem Jahr dürfte der erste Bagger stillstehen, bald danach der ganze Tagebau und damit auch die angeschlossenen Kraftwerke.

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Der wirtschaftliche Verlust ist für RWE enorm. Per Adhoc-Mitteilung ließ der Energiekonzern wissen, dass er damit rechne, dass das Ergebnis vor Steuern der Braunkohle- und Kernenergiesparte ab 2019 mit einem dreistelligen Millionenbetrag belastet werden wird.

Darüber hinaus hat RWE sein ohnehin schlechtes Image weiter ramponiert. Schmitz hat mit Verweis auf die wirtschaftlichen Zwänge beharrlich an der Rodung festgehalten, obwohl die Proteste in den vergangenen Wochen immer lauter wurden. Dem Appell, im Sinne des Klimaschutzes auf die Rodung zu verzichten, hielt er seine Verpflichtung den Aktionären, Mitarbeitern und Kunden entgegen, vor allem aber seine Rechtsposition.

Die war dem Richterspruch aus Münster nach zu urteilen offenbar doch nicht so sicher wie gedacht. Jetzt stehen Schmitz und RWE aber mit einem doppelten Schaden da: in der Bilanz und beim Image.

Kommentare (4)

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Herr Helmut da Silva

05.10.2018, 17:28 Uhr

Hier brechen meiner Meinung wieder einmal Richter das Recht und machen sich zu Umweltaktivisten.
"Oberverwaltungsgericht Münster einem Eilantrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) statt, der mit Verweis auf schützenswerte Fledermäuse die Rodung verhindern will."

Es reicht also ein vager Verweis, der nicht nachgewiesen wird, um eine genehmigte Rodung zu stoppen. Wobei bereits vor der Genehmigung dies bereits alles untersucht wurde und Einspruchmöglichkeiten bestanden. Jetzt kommen auf einmal Fledermäuse zum Vorschein die noch nie jemand zuvor gesehen hat.
Man wird den Verdacht nicht los, dass Umweltverbände schützenswerte Tierarten sich ausleihen um damit Bauprojekte zu verhindern.
Mit solchen Gerichten ist Deutschland als Industriestandort dem Untergang geweiht, denn wer investiert noch in Deutschland wenn selbst langwierige Umweltuntersuchungen die einer Baugenehmigung vorgeschaltet sind im Nachgang auf dubiose Weise durch seltsame Gerichtsentscheidungen wieder gestoppt werden. Keine Investitionen, keine Arbeitsplätze, muss es uns erst richtig schlecht gehen um besser zu werden???

Herr Rüdiger Berger

05.10.2018, 18:24 Uhr

Leider müssen die Gerichte wieder richten, was die Politik versäumt aus Angst vor der Industrie. Warum einen Wald roden, wenn der Ausstieg aus der Braunkohle beschlossene Sache ist. Natürlich ist das ein Tiefschlag für RWE aber es ist auch ein Sieg der Vernunft und ein Stück Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Herr Ulrich Groeschel

05.10.2018, 18:59 Uhr

Jetzt suchen alle Naturfreunde die Bechsteinfledermaus oder andere geschützte Tiere. Das kenn man ja von der Elbvertiefung.

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