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12.10.2019

14:00

Kommentar

Der Rücktritt von SAP-Chef McDermott ist überraschend, aber richtig

Von: Christof Kerkmann

Bei SAP ist nach der Expansion nun die Zeit der Konsolidierung gekommen. Das neue Führungsduo muss dafür sorgen, dass SAP weiterhin relevant bleibt.

SAP: Rücktritt von Chef Bill McDermott kommt zur richtigen Zeit  dpa

Christian Klein, Bill McDermott, Jennifer Morgan

Klein und Morgan lösen McDermott an der Spitze des deutschen Software-Konzerns ab.

Mit seinem abrupten Abgang überrascht SAP-Chef Bill McDermott die Mitarbeiter und Kunden. Bis zuletzt hat er – nach innen wie nach außen – den Eindruck vermittelt, dass er mit vollem Elan dabei ist, etwa um das Geschäft mit dem übernommenen Marktforschungsspezialisten Qualtrics auszubauen. Insofern hat seine Entscheidung den Softwarehersteller kalt erwischt.

Trotzdem kommt der Führungswechsel zu einer passenden Zeit. Bei SAP ist eine neue Phase angebrochen: Nach den Milliardeninvestitionen, mit denen sich der Dax-Konzern in den vergangenen Jahren fürs Cloud Computing rüstete und die Produktpalette modernisierte, ist es nun Zeit für die Konsolidierung. Dafür ist anderes Personal besser geeignet.

SAP ist für Software bekannt, mit denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern können. Ein wichtiges Verkaufsargument ist die Integration: Firmen sollen in Echtzeit sehen können, welche Produkte sie auf Lager haben, nach der Bestellung soll automatisch die Rechnung rausgehen. Zumindest theoretisch.

Der Softwarehersteller tat in den vergangenen Jahren allerdings zu wenig, um die zugekauften Produkte und Eigenentwicklungen zu integrieren – trotz aller Versprechungen, den Kunden in den Mittelpunkt zu rücken. Dieses Versäumnis ist McDermott anzulasten: Er entwarf die richtige Vision für das Zeitalter des Cloud Computing und gewann die Kunden und Mitarbeiter mit seiner gewinnenden Art, aber er kümmerte sich zu wenig ums Detail.

Das Resultat: Viele IT-Chefs und Vorstände zweifeln an der Rolle von SAP bei der Digitalisierung, monieren die „Cloud First“-Politik und grummeln über strenge Lizenzbedingungen. Über die Jahre sind die Warnzeichen immer lauter geworden. Inzwischen ist klar: Der Vorstand hat sie vielleicht gehört, aber zu spät und zu wenig darauf reagiert – trotz aller Programme wie „Customer First“.

Mit seiner großen Vision hat Bill McDermott dafür gesorgt, dass SAP relevant bleibt. Nun ist aber auch das mühsame Handwerk gefragt. Wenn das neue Führungsduo sich gut aufeinander einspielt, kann es beides. Christian Klein ist fürs operative Geschäft zuständig und kann jetzt an höchster Stelle die nötigen Maßnahmen durchsetzen. Jennifer Morgan leitet das Cloud-Geschäft beherrscht den Auftritt im amerikanischen Stil, der in der Softwarebranche wichtig ist.

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