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02.12.2019

17:15

Kommentar

Der Standort Deutschland muss mehr für sein Image tun

Von: Ulf Sommer

Deutsche Unternehmen können nicht auf Amerika verzichten, amerikanische dagegen schon eher auf Deutschland. Doch so weit darf es nicht kommen.

Deutsche Unternehmen profitieren von Trumps Steuerreform. Zugleich beklagen US-Firmen in Deutschland zu hohe Steuern. dpa

Volkswagen in den USA

Deutsche Unternehmen profitieren von Trumps Steuerreform. Zugleich beklagen US-Firmen in Deutschland zu hohe Steuern.

Als Donald Trump vor drei Jahren zum 58. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, war das Entsetzen in der deutschen Öffentlichkeit groß. Als Trump kurz darauf seine im Wahlkampf populistisch angepriesene America-first-Politik in die Tat umzusetzen begann, schienen sich die Befürchtungen zu bestätigen – und der Exodus deutscher Firmen aus der größten Volkswirtschaft nahe.

Das Gegenteil trat ein: Deutsche Unternehmen investieren Jahr für Jahr nicht weniger, sondern mehr in den USA – und sie setzen dort auch nicht weniger, sondern immer mehr Waren und Dienstleistungen um. Allein die Dax-Konzerne erreichen in Amerika einen Umsatz von rund 270 Milliarden Euro, was einem Anteil am Gesamtumsatz von 22 Prozent entspricht. Damit sind die USA selbst vor Deutschland wichtigster Einzelmarkt auf der Welt.

Angesichts der schwachen Wachstumszahlen in vielen industrialisierten Ländern und stagnierender Absatzzahlen ausgerechnet in China, dem größten Boomland der vergangenen zwei Jahrzehnte, kommt dem amerikanischen Markt immer größere Bedeutung zu.

Dazu trägt auch Donald Trump mit seiner America-first-Politik bei. Indem deutsche Industrieunternehmen mehr und mehr in den USA investieren, um dort zu produzieren, entgehen sie der populistischen Schelte des Präsidenten und (drohenden) Zöllen.

Wirtschaftlich betrachtet sollte uns mehr beunruhigen, wenn amerikanische Unternehmen in Deutschland immer stärker das komplexe Steuersystem, zu hohe Steuern und die schlechte digitale Infrastruktur kritisieren. So wie es aktuell in zwei Umfragen samt Studien die amerikanische Handelskammer in Deutschland und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG feststellen.

Insbesondere die hohen Abgaben an den Staat geraten mehr und mehr in den Fokus – auch weil Trump radikal die Unternehmensteuern in seinem Land gesenkt hat. Davon profitieren übrigens auch die vielen hochglobalisierten deutschen Unternehmen, allen voran die drei großen Autobauer mit ihren riesigen Produktionsstätten in Chattanooga (VW), Spartanburg (BMW) und Tuscaloosa (Daimler).

Deutsche Unternehmen können nicht auf Amerika verzichten – amerikanische aber schon eher auf Deutschland, indem sie auf die vielen umliegenden Nachbarstaaten ausweichen, um von dort aus den größten Markt in der europäischen Volkswirtschaft zu bedienen.

So weit darf es im Interesse der Gesamtwirtschaft nicht kommen. Insofern ist dringend ein besseres Image Deutschlands im Ausland nötig. Das gelingt am besten mit wettbewerbsfähigen Unternehmensteuern und einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur ohne Funklöcher.

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