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30.09.2019

17:35

Kommentar

Der Strategiewechsel ist für RWE eine zweite Chance

Von: Jürgen Flauger

Der Wechsel zu den erneuerbaren Energien kommt für RWE spät – der Energiekonzern muss ihn jetzt aber nutzen. Sonst droht der Untergang.

Der Konzern sollte massiv in das neue Geschäft mit Wind- und Solarparks investieren. imago images/PR

RWE-Zentrale in Essen

Der Konzern sollte massiv in das neue Geschäft mit Wind- und Solarparks investieren.

RWE setzt komplett auf erneuerbare Energien und will klimaneutral werden. Diese beiden Aussagen, die Vorstandschef Rolf Martin Schmitz am Montag tätigte, wären noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen – für Umweltschützer klingen sie auch heute noch unglaubwürdig.

Tatsächlich meinen es Schmitz und RWE ernst. Sie haben schlicht keine andere Wahl. Durch das Tauschgeschäft mit Eon wird RWE auf einen Schlag zum viertgrößten Produzenten von grünem Strom der Welt. Deutschlands größter Stromproduzent erhält so eine zweite Chance, die er nutzen will und auch muss.

Die Alternative wäre ansonsten der eigene Untergang. RWE hat viel zu lange am alten Geschäftsmodell, der konventionellen Stromproduktion, festgehalten. Zuerst hat sich der Konzern bis zuletzt gegen den Atomausstieg gewehrt und dann verbissen um die Zukunft der Kohlekraftwerke gekämpft.

Das hat RWE nicht nur finanziell in die Bredouille gebracht, sondern auch ein fürchterliches Image verpasst. RWE ist der Dinosaurier der Energiewirtschaft, das Feindbild Nummer eins der Klimaschützer.

Nach der Abspaltung von Innogy kümmerte sich der Konzern operativ nur noch um den Energiehandel und das Auslaufmodell konventioneller Stromproduktion. Das Tauschgeschäft mit Eon war für RWE die letzte Chance, wieder anzugreifen und selbst eine bedeutende Rolle in der Energiewende zu spielen.

Die neu gegründete Innogy blieb dabei zwar auf der Strecke. Aber sowohl für Eon als auch für RWE ergab sich die Chance zum Neustart. RWE muss diese jetzt aber auch entschlossen nutzen. Der Konzern muss zum einen – wie geplant – massiv in das neue Geschäft mit Wind- und Solarparks investieren.

Er muss aber auch glaubwürdig einen Schlussstrich unter das Geschäft mit der Kohle ziehen und aktiv den Kohleausstieg begleiten. Dann hat die neue RWE wieder eine wirtschaftliche Zukunft – und irgendwann vielleicht auch wieder ein gutes Image.

Mehr: Deutschlands größter Kohlekonzern will bei erneuerbaren Energien an die Spitze. Umweltschützern geht der Wandel des Unternehmens nicht schnell genug.

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