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08.11.2018

13:35 Uhr

Kommentar

Der teure Strategieschwenk bei Pro Sieben Sat 1 ist ein Alarmsignal

VonJoachim Hofer

Der neue Chef Max Conze steuert radikal um und nimmt in Kauf, dass sich die Anleger scharenweise abwenden. Das zeigt: Die Lage ist ernst.

Seit 150 Tagen ist der ehemalige Chef des Staubsaugerherstellers Dyson im Amt. ProSieben/Sat1

Max Conze

Seit 150 Tagen ist der ehemalige Chef des Staubsaugerherstellers Dyson im Amt.

Max Conze redet gerne Klartext. Wenn der Manager über das Erbe seines Vorgängers an der Spitze von Pro Sieben Sat 1 spricht, bemüht er sich um diplomatische Ausdrucksweise. Der Medienkonzern habe den Fokus auf die Konsumenten verloren, sei zu kompliziert, es herrsche Silodenken. Kurzum, bei Pro Sieben Sat 1 liegt einiges im Argen.

Seit 150 Tagen ist der ehemalige Chef des Staubsaugerherstellers Dyson im Amt. In der nicht gerade üppig bemessenen Zeit muss ihm klar geworden sein, dass es mit kosmetischen Korrekturen am Geschäftsmodell nicht getan ist. Der 49-Jährige steuert nun radikal um. Er nimmt in Kauf, dass sich die Anleger scharenweise abwenden. Das zeigt: Die Lage ist ernst.

Denn es ist eine teure Aufholjagd, die Conze da plant. Er will mehr eigene Inhalte produzieren und dafür Abnahmeverträge in den USA kündigen. Das kostet in nächster Zeit dreistellige Millionenbeträge, wird sich aber erst in einigen Jahren durch höhere Werbeerlöse auszahlen, wenn überhaupt.

Die Aktionäre leiden aber unmittelbar. So wird die Ausschüttungsquote von derzeit bis zu 90 Prozent auf 50 Prozent fallen.

Es muss Conze klar gewesen sein, dass diese Ankündigung vom späten Mittwochabend zu einem Kurssturz führen wird. So war es dann auch. Am Donnerstag fiel der Aktienkurs auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Dennoch ist nachvollziehbar, dass er so hart durchgreift. So wie bisher konnte es nicht weitergehen.

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Der neue Chef Max Conze will investieren. Für die Aktionäre der Sendergruppe brechen damit erst einmal härtere Zeiten an.

Schon Vorgänger Thomas Ebeling hätte mehr in eigene Inhalte investieren müssen. Das klassische Kerngeschäft mit TV-Werbung ist extrem unter Druck geraten, weil die Zuschauer sich abgewandt haben. Gleichzeitig hat es Ebeling nicht geschafft, die neuen Bereiche im E-Commerce und der TV- und Filmproduktion ausreichend profitabel zu machen.

Conze steht eine lange, steinige Sanierung bevor. Mindestens ebenso schwierig wird es allerdings, das Vertrauen des Kapitalmarkts wiederzugewinnen.

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