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31.10.2019

06:21

Kommentar

Der US-Notenbank gelingt der Balance-Akt

Von: Katharina Kort

Die Fed senkt den Leitzins, ohne dabei die Märkte zu verschrecken. Notenbank-Chef Powell hat es geschafft, die lockere Geldpolitik sanft zu beenden – trotz des permanenten Drucks.

Fed-Chef Powell zeugt sich hinsichtlich der US-Wirtschaft optimistisch. AFP

Jerome Powell

Fed-Chef Powell zeugt sich hinsichtlich der US-Wirtschaft optimistisch.

New York Fed-Chef Jerome Powell ist das Kunststück gelungen, de facto das Ende der lockeren Geldpolitik anzukündigen, ohne die Märkte zu verschrecken. Mit seiner jüngsten, dritten Zinssenkung in diesem Jahr hat er all jene beruhigt, die sich Sorgen um die US-Konjunktur machen. Gleichzeitig hat er zu verstehen geben, dass es der US-Wirtschaft jetzt wieder gut geht und die Notenbank ihr nicht mehr unter die Arme greifen muss.

Man mag darüber streiten, ob der jüngste Zinsschritt wirklich noch nötig war. Aber viel wichtiger ist, dass weitere aggressive Schritte für die Zukunft ausgeschlossen sind. Vielmehr wird die Fed nun erst einmal pausieren.

„Mid cycle adjustment“ ist das neue Buzz-Wort in der Finanzwelt. Das soll heißen, dass die jüngsten Zinsschritte nur eine kleine Anpassung in einem grundsätzlich soliden Konjunktur-Zirkel waren. Tatsächlich liegt die Arbeitslosigkeit in den USA immer noch auf einem extrem niedrigen Niveau und auch die Preise haben sich unter dem von der Fed angestrebten Wert von zwei Prozent eingependelt. Es gibt nicht mehr wirklich einen Grund, das Zinsniveau weiter zu senken.

Es bleibt abzuwarten, ob Donald Trump das genau so sieht. Der US-Präsident hatte seit einem Jahr extrem Druck auf Powell ausgeübt, mit einer lockereren Geldpolitik die Konjunktur zu unterstützen.

Powell hat die Zinsen zuletzt vor allem deshalb gesenkt, weil die verheerende Handelspolitik von Trump und der drohende Brexit die Weltwirtschaft und damit auch die US-Konjunktur bedrohten. Nun sind die Risiken für einen harten Brexit gesunken und auch beim Handelsstreit mit China könnte sich ein Abkommen anbahnen.

Das, kombiniert mit der brummenden Wirtschaft, gibt der Fed keinen Anlass mehr, die Geldpolitik weiter zu lockern. Schließlich muss sich die Zentralbank noch Spielraum lassen, falls die Konjunktur doch noch einbricht. Das haben auch die Märkte verstanden.

Bisher galt bei der Fed die seltsame Regel: je schlechter die Nachrichten, umso besser für den Markt. Wenn sich die Fed Sorgen macht, dann heißt das, dass die Zinsen senken.

Diesmal waren die Nachrichten und Einschätzungen aus der Fed eher optimistisch und der Markt hat sich trotzdem nicht erschrocken. Vielmehr schöpfen Investoren nun Hoffnung, dass es der US-Wirtschaft wirklich so gut geht, dass die Kurse auch von alleine weiter steigen können.

Donald Trump selbst attestiert der Konjunktur einen perfekten Lauf: „The Greatest Economy in American History!“, twitterte er am Mittwochmorgen und gab der Fed damit keinerlei Grund, die Greatest Economy weiter zu befeuern.

Die Investoren sind vielleicht nicht ganz so euphorisch wie der US-Präsident. Aber wenn es sich bei den jüngsten drei Zinssenkungen nur um ein „Mid-Cycle adjustment“ gehandelt hat, dann haben sie Grund zur Freude. Dann wären die drohenden Turbulenzen und damit ein echter Abschwung abgewehrt. Und sowohl Trump als auch Powell werden den Erfolg für sich beanspruchen.

Mehr: Die EZB wird die Zinsen wohl weiter senken, kann aber nicht mehr viel ausrichten. Lesen Sie hier, was Fondsmanager jetzt Anlegern raten.

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