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05.09.2019

16:13

Kommentar

Der Verkauf der Aufzugsparte wäre bitter für Thyssen-Krupp – bietet aber Heilungschancen

Von: Kevin Knitterscheidt

Ein Komplettveräußerung des hochprofitablen Geschäfts mag zwar schmerzlich sein. Der Schritt birgt aber auch große Chancen für den Ruhrkonzern.

Der Konzern erwägt, die Aufzugsparte zu veräußern. dpa

Thyssen-Krupp-Gelände in Duisburg

Der Konzern erwägt, die Aufzugsparte zu veräußern.

In der Medizin wie im Wirtschaftsleben gilt: Meist ist es die bitterste Pille, die die besten Heilungschancen verspricht. Im Fall von Thyssen-Krupp wäre das zweifelsohne der Komplettverkauf der Aufzugsparte, die lange für eine goldene Zukunft des Industriekonzerns stand.

Über viele Jahre galt deshalb die Idee als Tabu. Denn die ursprüngliche Strategie sah vor, die Aufzüge zum Kerngeschäft des Essener Unternehmens zu küren. Dass es dazu nicht mehr kommen wird, liegt vor allem an externen Faktoren wie dem Veto der EU-Kommission zur Stahlfusion. Die zwangen Vorstandschef Guido Kerkhoff zum Umdenken. Das tat er – und erklärte den Stahl wieder zum Kern von Thyssen-Krupp.

Die Probleme des Unternehmens lassen sich mit einer stärkeren Fokussierung aber allein nicht lösen. Denn auch, wenn nun klar ist, wohin der Weg gehen wird, sitzt der Ruhrkonzern wegen milliardenschwerer Fehlinvestitionen seit vielen Jahren auf einem riesigen Berg Schulden. Thyssen-Krupp braucht Geld – und das möglichst schnell, denn die nächste Flaute in der Stahlkrise steht nicht vor, sondern praktisch schon in der Tür.

Freilich könnte der Konzern sich nun weiter mit den stabilen Erträgen aus dem Aufzugsgeschäft über Wasser halten. Doch wäre das wohl eher eine lebensverlängernde Maßnahme als eine echte Medizin. Nur mit enorm viel Kapital lassen sich die Altlasten des Unternehmens nachhaltig beseitigen – und das ist derzeit nur in Sicht, wenn sich der Konzern von seinem wertvollsten Vermögenswert trennt.

Es klingt zwar zunächst wenig attraktiv, ein hochprofitables Geschäft zu verkaufen, um damit ein schwächelndes wie den Stahl zu sanieren. Auch deshalb verfolgt der Vorstand derzeit eine dreigleisige Strategie, an deren Ende auch ein Teilverkauf oder ein Börsengang der Sparte stehen könnte.

Doch das meiste Geld verspricht der Komplettverkauf. Ein solcher Schritt mag zwar bitter sein – bietet aber die besten Heilungschancen.

Mehr: Der Triebwerkshersteller MTU ersetzt Thyssen-Krupp im deutschen Leitindex. Auch im MDax und im SDax gibt es Wechsel.

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