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04.01.2022

19:08

Kommentar

Deutschland muss dringend die Kinder von Gastarbeitern fördern

Von: Teresa Stiens

Ein ungerechtes Bildungssystem und strukturelle Benachteiligungen bremsen Kinder mit Migrationsgeschichte. Das kann sich Deutschland angesichts des Fachkräftemangels nicht leisten.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss Deutschland Jugendliche mit Migrationsgeschichte fördern, meint die Autorin. Christina wocintechchat on unsplash

Junge Frau

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss Deutschland Jugendliche mit Migrationsgeschichte fördern, meint die Autorin.

Auch große Persönlichkeiten der Geschichte können ab und an irren. So wie Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), der behauptete, es sei ein Fehler gewesen, dass Deutschland in den 1960er-Jahren Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land geholt habe. Damit lag er falsch.

Ohne die Anwerbeabkommen, die Deutschland vor fast genau 66 Jahren zu schließen begann, wäre die deutsche Wirtschaft heute deutlich schwächer. Das Wunder der Nachkriegszeit, nämlich, dass der Verliererstaat Deutschland einen unvergleichlichen Aufschwung hinlegte, war auch den eingeladenen Arbeitskräften aus aller Welt zu verdanken.

Und viele Gastarbeiter von damals haben Deutschland noch eine weitere Chance mit auf den Weg gegeben: Sie sind geblieben und haben dieses Land zu ihrer Heimat erklärt. Ihre Kinder und Enkel sind in Deutschland aufgewachsen und bieten nun wiederum helfende Hände beim Aufbruch der deutschen Wirtschaft in eine moderne Zukunft. Nur leider lässt man sie nicht.

Denn das deutsche Bildungssystem scheitert zu häufig an der Förderung von Kindern mit Migrations- und Arbeiterhintergrund. Viele berichten von mangelnder Unterstützung bis hin zu Diskriminierung wegen ihrer Herkunft.

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    Nach der vierten (manchmal nach der sechsten) Klasse wird die Entscheidung getroffen, ob ein Kind aufs Gymnasium gehen darf. Deutsch-deutsche Akademikerkinder schaffen den Weg nach oben, Arbeiterkinder mit Migrationshintergrund hingegen bleiben häufig auf der Strecke.

    Deutschland braucht das Potenzial aller jungen Menschen

    Wer doch das Abitur schafft, geht oft auf die möglicherweise schlechteren Universitäten, um nah bei der Familie zu bleiben und Geld zu sparen. Ein potenzieller Malus im Lebenslauf, wenn es gilt, sich bei Bewerbungen gegen Kandidaten von Eliteunis durchzusetzen. Vor allem, wenn noch ein türkischer, libanesischer oder vietnamesischer Name hinzukommt.

    Dabei kann es sich Deutschland nicht leisten, das Potenzial von jungen Menschen mit Migrationshintergrund ungenutzt zu lassen. Ähnlich wie in den 1960er-Jahren fehlen dem Land auch heute die Arbeitskräfte. Der Fachkräftemangel wird in den kommenden Jahrzehnten zum zentralen Problem für Unternehmen und Verwaltung werden.

    Es braucht deshalb schon in frühester Kindheit eine gezielte Bildungsförderung und Strukturen, die auch die Lebensrealität von Gastarbeiterfamilien einbeziehen. Doch dafür müsste Deutschland zunächst erkennen, welches Potenzial hierzulande vor mehr als 60 Jahren eingewandert ist – und wie man es besser nutzen könnte.

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