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09.07.2019

16:20

Kommentar

Deutschland riskiert die Abwanderung von Know-how im Biotechbereich

Von: Maike Telgheder

Die deutsche Biotechbranche braucht heimische Investoren, wenn sie das Know-how nicht nach Übersee verlieren will. Höchste Zeit für bessere Rahmenbedingungen.

Deutsche Unternehmen müssen sich notwendiges Kapital häufig in den USA besorgen. dpa

Biotechnologie

Deutsche Unternehmen müssen sich notwendiges Kapital häufig in den USA besorgen.

Gute Nachrichten für die deutsche Biotechbranche: Das Mainzer Start-up Biontech kann sich eine neue Rekordfinanzierung sichern. Die schlechte Nachricht: Es ist wieder eine Ausnahmetransaktion für ein einzelnes Unternehmen.

In der Breite erhalten die rund 650 Unternehmen der Branche auch weiterhin nicht genügend Unterstützung. Die Mainzer sammeln auf einen Streich mit rund 290 Millionen Euro so viel Geld ein, wie die restliche Branche nicht in einem Jahr an privater Finanzierung erhält.

Biontech hat sich den Erfolg zweifellos verdient: Das 2008 gegründete Unternehmen hat eine beachtliche Pipeline im Feld der Krebsimmuntherapien aufgebaut, ist technologisch breit aufgestellt und hat gewichtige Kooperationspartner in der Pharmabranche gewonnen.

Ein Erfolgsfaktor der Mainzer Firma war dabei sicher, dass die ehemaligen Hexal-Eigner, die Brüder Strüngmann, in das Unternehmen investiert haben. Ohne solche langfristig orientierten Family-Offices hätten viele deutsche Biotechunternehmen ihre Ideen nicht entwickeln können.

Höchste Zeit für funktionierenden Start-up-Kapitalmarkt

Der Fall Biontech zeigt aber auch, dass große Finanzierungsrunden in der Branche quasi nur mit ausländischen Investoren zu bewerkstelligen sind. Viele global tätige Fonds haben nicht nur das Geld, die höhere Risikobereitschaft, sondern mittlerweile auch das bessere Know-how, um die Chancen deutscher Biotechunternehmen, die sich mit ihrer Innovationsleistung weltweit durchaus sehen lassen können, bewerten zu können.

In der Konsequenz werden künftig mehr deutsche Biotechfirmen Zugang zu US-Kapital und auch zum US-Börsenparkett suchen. Damit riskieren wir die Abwanderung von wichtigem Know-how.

Es ist höchste Zeit, die Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Start-up-Kapitalmarkt zu schaffen, damit mehr heimische Investoren die deutsche Biotechbranche fördern und so die Innovationen der Branche auch hier weiterhin Nutzen bringen.

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