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22.11.2022

18:27

Kommentar

Deutschland steckt energiepolitisch in der Falle

Von: Mathias Brüggmann

Robert Habeck muss nun endlich handeln, um die Energiepartnerschaft mit Katar anzuschieben. Sonst zieht China davon und Deutschland bleibt zurück.

Deutschland will wegen des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energieträgern Verträge über höchstens fünf Jahre akzeptieren. dpa

Robert Habeck

Deutschland will wegen des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energieträgern Verträge über höchstens fünf Jahre akzeptieren.

Deutschland ist zwischen Energienot und Klimaschutz, zwischen Pragmatismus und Ideologie gefangen. Die Energiepartnerschaft mit Katar, die Robert Habeck (Grüne) als Bundeswirtschaftsminister pragmatisch vereinbart hat und zugleich als Klimaschutzminister bekämpft, wird nichts beitragen zur Lösung des Problems der Energieknappheit.

Zumindest so lange nicht, wie die Bundesregierung deutschen Versorgern nicht klare Signale gibt, dass sie Erdgas auch mittelfristig beschaffen können und sollen – und nicht nur in den nächsten fünf Jahren.

Einen Vertrag mit 27-jähriger Laufzeit hat China mit Katar jetzt abgeschlossen. Das ist im Flüssiggassegment ein Rekord. Eine so lange Laufzeit muss und darf es in den Verhandlungen mit Deutschland nicht sein.

Aber dass ein Gasproduzent wie Katar, der gerade 45 Milliarden Dollar in die annähernde Verdoppelung seiner Gasförderung und Verflüssigung investiert, nicht Lieferverträge über zwei, drei Jahre abschließt, ist verständlich. Derart große Investments brauchen stabile Kundenbeziehungen.

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    Und warum sollte Katar riskieren, dass nach Deutschland dann auch langjährige Kunden wie Japan, Südkorea oder China kürzere Laufzeiten wollen, wenn Habeck sie bekommen sollte?

    Deutschland muss zeitenwendig auch an die Golfstaaten denken

    Habeck muss sich ehrlich machen: Wenn Deutschland durch die Energiekrise der nächsten Jahre kommen will, brauchen wir nach dem Ausstieg von Russland noch für mindestens zehn Jahre LNG. Flüssiggas ist ökologisch besser als Kohle. Und je eher die alten Kohlemeiler vom Netz gehen, desto besser.

    Unser Land wird noch über Jahrzehnte Gas (LNG) für die Chemie-, Düngemittel- und andere Industrien als Rohstoff brauchen. Grüner Wasserstoff hat Priorität, keine Frage. Doch der Weg dorthin ist ein langer angesichts des weiter wachsenden Bedarfs an (erneuerbaren) Energien.

    Wir brauchen eine faire und umfassende Energiepartnerschaft Europas mit den Golfstaaten. Und Deutschland braucht sie für mindestens zehn Jahre – eine Energiepartnerschaft, die der Zeitenwende, die der Bundeskanzler angekündigt hat, gerecht wird.

    Robert Habecks Wille zu Kurzfristabkommen wird weder die Scheichs noch die deutsche Industrie überzeugen. Und auch das Dauernörgeln über Katar, wie aktuell bei der Wüsten-WM, ist wenig hilfreich.

    Die Gefahr, dass China Deutschland im Geschäft mit Flüssiggas vollends abhängt, ist real. Peking jedenfalls hat die Gunst der Stunde genutzt und sich schon einmal den ersten Deal für Katars von 2026 an verfügbare größere Gasmengen gesichert. Zeit zu handeln, Herr Habeck.

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