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24.09.2022

16:00

Kommentar

Die Abkehr von China hat sich noch nie so gelohnt wie jetzt

Von: Mathias Peer

Chinas wirtschaftliche Schwäche macht deutlich, dass die Suche nach Alternativen in Asien für die deutschen Unternehmen unverzichtbar ist. Dabei ist auch die Politik gefragt.

Malaysia gehört zu den boomenden asiatischen Ländern. Bloomberg

Bauarbeiten in Kuala Lumpur

Malaysia gehört zu den boomenden asiatischen Ländern.

Bangkok Die Niederschlagung der Demokratieproteste in Hongkong hat die deutsche Wirtschaft bisher ebenso wenig vor Geschäften mit China abgeschreckt wie die Unterdrückung der Uiguren. Doch auch wenn die Menschenrechtslage in vielen Chefetagen kein Grund ist, das Engagement in der Volksrepublik zu überdenken, macht die wirtschaftliche Lage Chinas die Frage nach einer Neuausrichtung unvermeidbar.

Die Zeit, in der China der große Wachstumstreiber der Weltwirtschaft war, ist zumindest vorerst vorbei. Die dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt finden sich zwar immer noch in Asien – aber fernab der Herrschaft von Chinas Kommunistischer Partei. Sich auf diese neuen Zukunftsmärkte einzulassen lohnt sich nicht nur wegen Chinas Schwäche, sondern vor allem auch wegen der Stärke der Alternativen.

Und es sind die Demokratien, die boomen: Indien, Indonesien, Bangladesch, Malaysia und die Philippinen – die fünf Länder kommen derzeit auf Wachstumsraten von fünf bis sieben Prozent. China dagegen kämpft 2022 mit der Dreiprozentmarke.

Europa muss sich noch viel stärker für den Handel mit dem Süden Asiens öffnen

An dieser neuen Realität müssen sich auch deutsche Unternehmen ausrichten. Bislang lautete ihre Asienstrategie „China plus eins“: Die Volksrepublik war als Investitionsstandort gesetzt, der Diversifizierung wegen sah man sich dann aber doch noch in einem weiteren Land um.

Doch mit dem Ansatz, die riesige Wachstumsregion zwischen dem Hindukusch und dem Südchinesischen Meer lediglich als Anhängsel des China-Engagements zu betrachten, hatte die deutsche Wirtschaft bisher nur überschaubaren Erfolg: An den Absatzmärkten Süd- und Südostasiens ist die Konkurrenz aus Japan, Südkorea – und ja, auch aus China – oft weit voraus.

Um die Abhängigkeit von einem schwächelnden China zu reduzieren, sind jetzt ernstzunehmende Investitionen nötig – nicht nur seitens der Unternehmen, auch die Politik ist gefragt. Die Erwägungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, den Fokus der staatlichen Außenwirtschaftsförderung stärker von China in andere asiatische Länder zu verlegen, geht in die richtige Richtung. Europa muss sich aber noch viel stärker für den Handel mit dem Süden Asiens öffnen.

EU-Freihandelsverhandlungen mit Ländern wie Indien und Indonesien gestalten sich als unglaublich zäh – und zwar nicht nur wegen der asiatischen Verhandlungspartner. Europas Bedenken etwa mit Blick auf die Nachhaltigkeit des indonesischen Palmöls stehen einer Einigung bisher im Weg. Doch auch in Brüssel sollte klar sein: Wer bei der Partnersuche zu wählerisch ist, steht am Ende allein da.

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