Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2019

19:20

Kommentar

Die Allianz der Chemiefirmen gegen Plastikmüll ist mehr als nur Greenwashing

Von: Bert Fröndhoff

Es ist richtig, dass die Chemiebranche etwas gegen Plastikmüll unternimmt. Ihr nur das Motiv der Imageverbesserung zu unterstellen, wäre kurzsichtig.

Das Müllproblem ist global, europäische Firmen wollen es bekämpfen. action press

Plastikmüll am Strand von Mumbai

Das Müllproblem ist global, europäische Firmen wollen es bekämpfen.

Wenn Industriefirmen selbst die Initiative zur Lösung eines ökologischen Problems ergreifen, ist reflexhafte Kritik absehbar. Den Unternehmen wird unterstellt, allein Imageverbesserung im Sinn zu haben und mit weichen Vorschlägen ein hartes Durchgreifen der Politik in ihrem Sinne zu verhindern.

Stichwort Greenwashing: Man schlüpft in ein grünes Gewand, um sich umweltbewusst zu zeigen, meint es aber damit wegen der eigentlich vorherrschenden wirtschaftlichen Interessen nicht wirklich ernst.

Diese Kritik wird vermutlich auch die Chemie- und Kunststoffhersteller treffen, wenn sie ihre geplanten Initiativen zur Eindämmung des globalen Plastikmülls vorstellen. Gerade diejenigen, die vom wachsenden Kunststoffverbrauch profitieren, sollen sich ernsthaft an dessen Eindämmung beteiligen? Das werden nicht wenige Umweltschützer bezweifeln.

Die Frage ist berechtigt, sie muss aber differenziert beantwortet werden. Grundsätzlich gilt: Jede Initiative, die einen weiteren Anstieg des Plastikmülls verhindern will, ist sinnvoll und willkommen. Und wer, wenn nicht der Produzent dieses Materials, ist mitverantwortlich dafür, dass die gewaltigen Müllmengen entstehen?

Prognosen, nach denen im Jahr 2050 in den Weltmeeren mehr Plastik als Fisch sein wird, sind erschreckend. Es muss jetzt gegengesteuert werden.

Henkel, BASF, Shell: Chemieriesen bilden eine Allianz gegen Plastikmüll

Henkel, BASF, Shell

Chemieriesen bilden eine Allianz gegen Plastikmüll

Für die Chemiebranche wird der Plastikmüll zunehmend zum Imageproblem. Nun reagieren Konzerne mit einer Allianz gegen die Umweltverschmutzung.

Klar ist: Die geplante Initiative der Chemie kann dabei nur ein Teil sein. Plastikmüll ist ein umfassendes Problem, das vom fehlenden Bewusstsein der Verbraucher für die Verschwendung bis zum sorglosen Umgang des Handels und der Konsumgüterhersteller mit Verpackungen reicht.

Was besonders herausfordernd ist: 80 Prozent des Mülls in den Weltmeeren werden von großen Flüssen in Asien und Afrika in die Ozeane getragen. Die Eindämmung ist ein globales Problem, das vor allem Bewusstsein und Umdenken in den Gesellschaften der Schwellenländer erfordert. Und dies wird nur durch internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher und politischer Ebene möglich sein.

Die Chemie kann und muss ebenso wie die Konsumgüterbranche als global vertretene Industrie dazu ihren Beitrag leisten. Es wäre falsch, allein den Schwellenländern die Verantwortung für den Plastikmüll zuzuschieben. Europa muss Vorbild für funktionierendes und umfassendes Recycling werden.

Und die Chemieindustrie muss auch hierzulande beweisen, dass sie es mit der von ihr selbst propagierten Kreislaufwirtschaft – also der zunehmenden Wiederverwendung von Abfallstoffen – wirklich ernst meint. Nur dann wird sie vermeiden können, dass Kunststoff noch mehr zu ökologisch verrufenem Material wird, dessen Einsatz von der Politik zunehmend eingeschränkt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×