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29.06.2022

17:14

Kommentar

Die Ausnahme für E-Fuels wird keinen einzigen Arbeitsplatz in Deutschland retten

Von: Roman Tyborski

Die von FDP-Chef Christian Lindner durchgesetzte Ausnahmeregel hilft der Industrie wenig weiter: Europas Autobauer haben sich längst für die Elektromobilität entschieden.

Mitarbeitern von Zulieferern in Deutschland, die stark vom Verbrennungsmotor abhängig sind, wird die E-Fuels-Ausnahmeregelung nicht helfen. dpa

Gefährdete Arbeitsplätze

Mitarbeitern von Zulieferern in Deutschland, die stark vom Verbrennungsmotor abhängig sind, wird die E-Fuels-Ausnahmeregelung nicht helfen.

Der Druck von Finanzminister Christian Lindner hat gewirkt: Die Bundesregierung hat in der Nacht zum Mittwoch in Brüssel eine Ausnahme für die sogenannten E-Fuels durchgesetzt. Nachweislich mit diesen CO2-neutralen Kraftstoffen betankte Fahrzeuge dürfen demnach wohl auch nach 2035 in Deutschland zugelassen werden.

Die Frage ist: Für wen hat sich der begeisterte Porsche-Fahrer Lindner hier überhaupt eingesetzt? Die deutschen Autozulieferer, die noch heute stark vom Verbrennergeschäft abhängig sind, bringt sein Einsatz kaum weiter. Die Ausnahmeregelung für E-Fuels wird in Deutschland wohl keinen einzigen gefährdeten Zulieferer-Arbeitsplatz retten.

Lindner hat nach dem Verbrennerkompromiss erklärt, dass die alte Antriebstechnik „mindestens global noch lange eine Rolle“ spielen werde, weshalb sie weiterentwickelt werden müsse. Am besten von Unternehmen in Deutschland, um auf diese Weise Arbeitsplätze zu sichern.

Man neigt zwar dazu, dieser Logik reflexartig zuzustimmen, da sich außerhalb von Europa in weiten Teilen Asiens und Afrikas die Elektromobilität nicht so schnell durchsetzen dürfte. Doch sein Argument, dass dank des Einsatzes der FDP Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden, ist aus wirtschaftlicher Perspektive nicht haltbar.

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    Denn Europas Autohersteller haben sich längst positioniert. Volkswagen, BMW, Mercedes, Volvo, Renault und viele andere werden ihr Verbrennerangebot in Europa bis 2035 einstellen. Und ohne Abnehmer für die entsprechenden Komponenten gibt es für Zulieferer kein Geschäft.

    Dass in Fernost Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren noch bis weit in die 2030er-Jahre zugelassen werden, hilft den Mitarbeitern der heimischen Zulieferer dabei herzlich wenig. Kein Unternehmen wird Verbrennerkomponenten in Deutschland produzieren für Autos, die in Asien hergestellt und verkauft werden. Dafür sind die Produktionskosten hierzulande zu hoch.

    Die Forderung der FDP wirkt wie Starrsinn

    Und auch die Verbrenner-Entwicklungsabteilungen werden obsolet. Denn nach über 100 Jahren ist die Technologie ausentwickelt. Hersteller haben Investitionen in die alte Antriebstechnik gestrichen. Zu Recht: Mit Blick auf die hohen Investitionen in die Elektromobilität kämen neue Investitionen in den Verbrennungsmotor einem Geldverbrennen gleich.

    Die Forderung von FDP und Lindner nach Technologieoffenheit wirkt vor allem wie Starrsinn, hinter dem keine volkswirtschaftliche Logik steckt. Dass diese Position von einer Partei kommt, die für sich selbst in Anspruch nimmt, die Stimme der Wirtschaft zu sein, macht die Sache noch schlimmer.

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