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14.01.2020

16:11

Kommentar

Die Blitzsanierung von Opel ist teuer erkauft

Von: Franz Hubik

Der Autobauer feiert die Rückkehr in die Gewinnzone. Doch mehr als die Hälfte der deutschen Belegschaft muss gehen – und eine Wachstumsperspektive fehlt.

Seit der Zwei-Meter-Man in Rüsselsheim das Sagen hat, stimmen die Zahlen auf einmal. dpa

Opel-Chef Michael Lohscheller

Seit der Zwei-Meter-Man in Rüsselsheim das Sagen hat, stimmen die Zahlen auf einmal.

Der Chefposten bei Opel war lange Zeit ein einziger Schleudersitz. Binnen zwei Jahrzehnten hat der traditionsreiche Autobauer neun Frontmänner verschlissen. Der Grund: immer neue Verluste.

Michael Lohscheller beendete diese unrühmliche Praxis. Seit der Zwei-Meter-Mann im Sommer 2017 in Rüsselsheim das Sagen hat, stimmen die Zahlen auf einmal. Er schaffte, was seinen Vorgängern verwehrt blieb: endlich Gewinne zu erzielen – und zwar konstant. 2018 steht ein operatives Ergebnis von 859 Millionen Euro in den Büchern, im ersten Halbjahr 2019 sind es stolze 700 Millionen Euro.

Das ist das positive Resultat der Ära Lohscheller. Dafür lässt sich der sonst so bescheiden auftretende Marathonläufer öffentlichkeitswirksam als „Manager des Jahres 2019“ feiern. Es gibt aber auch eine zweite Bilanz von Lohscheller. Und die sieht weit weniger rühmlich aus.

Denn der Opel-Chef agiert zunehmend wie der oberste Abwickler der heimischen Truppen. Binnen zweieinhalb Jahren hat er den Abbau von gut 6800 Beschäftigten allein in Deutschland besiegelt.

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    Doch Lohscheller hält die Personalkosten der Hessen immer noch für zu hoch. Daher will er bis zu 4100 weitere Stellen streichen – sozial verträglich, versteht sich, über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen. Zusammengerechnet könnte Opel unter seiner Ägide fast 11.000 Jobs verlieren – nur in Deutschland.

    Damit würde die heimische Belegschaft bis Ende der Dekade auf weniger als die Hälfte der einstigen Stärke schrumpfen. Anfang 2017 beschäftigten die Rüsselsheimer noch über 19.000 Mitarbeiter.

    Die Blitzsanierung von Opel wird somit teuer erkauft. Die hohen Restrukturierungskosten, die für die freiwilligen Programme fällig werden, verschweigt Lohscheller weitgehend. In der Belegschaft wird der Manager daher zunehmend als „Märchenonkel“ wahrgenommen, der einseitig das Comeback von Opel bejubelt, die damit verbundenen Einschnitte aber gern ausklammert. Die Gewerkschaft IG Metall sieht dem Treiben nahezu hilflos zu. Lokal- und Bundespolitiker sowieso.

    Dabei ließe sich Opel auf Dauer keineswegs nur durch Jobabbau sanieren. Das Unternehmen braucht endlich wieder eine Wachstumsperspektive, muss sich neue Geschäfte erschließen. Aber hier agiert das Management völlig visionslos.

    Es findet kein Mittel gegen den unaufhaltsamen Absatzschwund. Von Januar bis November 2019 setzten die Rüsselsheimer weltweit nur noch 891.000 Fahrzeuge ab. Das ist ein Minus von 6,4 Prozent und der geringste Absatz in der Opel-Historie. Da helfen auch prominente Werbebotschafter wie Jürgen Klopp nichts. Aus Hilflosigkeit sägt Opel nun weiter an seiner Substanz. Nachhaltig ist das freilich nicht.

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