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03.11.2021

19:51

Kommentar

Die CDU muss sich neu in der Gesellschaft verankern

Von: Daniel Delhaes

Eine Mitgliederbefragung für die Inthronisierung eines neuen Parteichefs allein hilft der CDU nicht aus der Krise. Die Hasardeure müssen erkennen, worum es geht: um das Überleben der Volkspartei.

Die Kandidaten um den Parteivorsitz: Der Sieger wird die Union aus dem Tief führen müssen. dpa

Norbert Röttgen (l.) und Friedrich Merz

Die Kandidaten um den Parteivorsitz: Der Sieger wird die Union aus dem Tief führen müssen.

Berlin Die CDU will mit einem Verfahrenstrick schaffen, was ihr seit 2018 nicht gelungen ist: Per Mitgliederbefragung soll die nächste Führungsfigur das Vakuum auflösen, das Angela Merkel als CDU-Chefin angesichts ihrer Interessenkollision als Bundeskanzlerin hinterlassen hat. Sowohl Annegret Kramp-Karrenbauer wie auch Armin Laschet waren als Parteivorsitzende nicht in der Lage, diesen Anspruch einzulösen.

Natürlich mussten beide scheitern: Kein Parteivorsitzender ohne Regierungsamt ist in der Lage, genügend Posten zu verteilen und damit Macht auszuüben, die für Ruhe in den eigenen Reihen sorgt. Im Gegenteil: Die vermeintliche Katze im Haus war zweimal ein zahnloser Tiger, dem die Mäuse genüsslich auf der Nase herumtanzten und der auch noch das Gejaule des schwächelnden Löwen aus Bayern aushalten musste. Nicht einmal die Aussicht auf das Regierungsamt reichte in diesem Jahr aus, um die Hasardeure einzuhegen.

Nun also sollen die rund 400.000 Mitglieder den Vorsitzenden bestimmen. Dann, so die Hoffnung, werden die Unterlegenen sich fügen und helfen, die Partei zu erneuern, um bald schon wieder einen Kanzler zu stellen.

Die Partei muss sich in der Gesellschaft verankern

Dieser romantische Traum geht nur in Erfüllung, wenn alle an einem Strang ziehen und den Ernst der Lage akzeptieren. Die Partei muss sich neu in der Gesellschaft verankern, damit sie erfährt, was die Menschen wirklich bewegt und was sie von einer bürgerlichen Partei erwarten. Es geht um gesellschaftliche Fragen in Zeiten tiefgreifender Umbrüche in der Arbeitswelt wie auch im privaten Leben und weniger um Schlagwörter wie das der „schwarzen Null“.

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    Wie etwa hält es die CDU mit der Freiheit, dem Vertrauen auf den Einzelnen in Zeiten der Pandemie, wie mit der gegenseitigen Hilfe in einer zersplitterten Gesellschaft, wie mit der Heimat in Zeiten ungebremster Mobilität?

    Antworten auf diese Fragen nähren die Wurzeln der CDU: das Libertäre, das Soziale und das Christliche. Es wird Zeit, diese Begriffe nicht machtpolitisch beliebig, sondern zeitgemäß ernsthaft zu buchstabieren. In der Opposition ist dies die oberste Pflicht einer Volkspartei.

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