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16.09.2022

14:44

Kommentar

Die China-Kehrtwende von Opel ist ein Segen für die Firma

Von: Franz Hubik

Geopolitische Verwerfungen bewahren den Autobauer vor einem schweren Fehler. In China hat niemand auf Opel gewartet, die Expansion ist Wunschdenken.

Der Elektromarkt in China wächst zwar, doch für Opel wäre es schwer geworden, der Konkurrenz die Stirn zu bieten. imago images/Sebastian Geisler

Opel Corsa-E

Der Elektromarkt in China wächst zwar, doch für Opel wäre es schwer geworden, der Konkurrenz die Stirn zu bieten.

Die deutschen Autobauer sind in den vergangenen 15 Jahren enorm gewachsen. Hauptverantwortlich dafür war die stetig zunehmende Begeisterung chinesischer Kunden für Fahrzeuge von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW. Mittlerweile verkauft das Trio weit mehr als ein Drittel seines globalen Absatzes im Reich der Mitte.

Nur Opel schaffte es als einzige heimische Automarke mit großer Tradition nie wirklich, in der Volksrepublik erfolgreich Fuß zu fassen. Als die Firma mit dem Blitzlogo vor über einem Jahr ankündigte, künftig wieder nach China zu expandieren, hofften die Manager in Rüsselsheim auf einen Befreiungsschlag. Raus aus Europa, endlich wachsen statt weiter schrumpfen.

Doch das war stets Wunschdenken. Dass Opel seine geplante China-Offensive nun kleinlaut abbläst, ist mehr Segen als Fluch für die Firma. Geopolitische Verwerfungen bewahren die Hessen vor einem schweren Fehler. Die Risiken in China mit seinem aufkeimenden Nationalismus steigen seit Jahren.

Der Markt wächst zudem längst nicht mehr ungebremst. Vielmehr rangeln über 120 Marken um die Aufmerksamkeit einer tendenziell immer illoyaleren Kundschaft.

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    Nationale Anbieter wie Wuling, BYD, Geely, Changan oder Nio stehlen vielen westlichen Fahrzeugherstellern sogar die Show. Bei elektrischen Antrieben und cleverer Digitaltechnik sind die Chinesen den Deutschen mitunter voraus. Bei Opel ist die Softwareexpertise besonders gering. Die Fahrzeuge der Hessen bieten auch sonst keinerlei echte Alleinstellungsmerkmale. Wieso man in Rüsselsheim glaubte, dennoch in China reüssieren zu können, verwundert.

    Opel hätte bei null anfangen müssen

    Die vom Mutterkonzern Stellantis für China grundsätzlich angeordnete „Asset-light“-Strategie dürfte zudem nicht funktionieren. Die Vorstellung, im weltgrößten Automarkt üppige Gewinne generieren zu können, ohne parallel massiv vor Ort zu investieren, erscheint reichlich naiv. Fakt ist: Opel müsste in China de facto bei null anfangen.

    Die Firma war zwar von 1993 bis Ende 2014 bereits in Fernost mit etwa zwei Dutzend Händlern präsent. Doch 2015 zogen sich die Hessen komplett aus dem Land zurück. Der Grund: Opel hatte es zuvor nie geschafft, mehr als 5000 Fahrzeuge pro Jahr in China auszuliefern. Bei einem Neustart wäre es wohl nicht anders gewesen. Der Markt in China ist verteilt. Niemand wartet auf Opel.

    Die hohen Ausgaben, die für den Aufbau einer neuen Vertriebsstruktur in China fällig würden, sollte Opel jetzt lieber anders investieren, etwa in den Erhalt der Werke in Europa. Die sind im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich abgewirtschaftet – und so kaum noch wettbewerbsfähig.

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