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02.09.2019

18:02

Kommentar

Die Chinesen müssen sich mit ihren Plänen in der Ägäis nicht einmal beeilen

Von: Dieter Fockenbrock

Die Ägäis könnte Einfallstor für den Containertransport zwischen Europa und Fernost werden. Darunter würden etablierte Häfen im Norden leiden.

Der Hafen der niederländischen Stadt ist mit einem Umschlag von fast 15 Millionen Standardcontainern der größte Europas. dpa

Rotterdam

Der Hafen der niederländischen Stadt ist mit einem Umschlag von fast 15 Millionen Standardcontainern der größte Europas.

Der Seehafen Rotterdam könnte das Treiben Tausende Kilometer südlich mit großer Gelassenheit betrachten. Gerade erst haben die Niederländer ein komplett neues Hafenbecken direkt an der Nordseeküste angelegt. Dicke Pötte mit 22.000 Containern und mehr sind kein Thema. Und mit einem Umschlag von fast 15 Millionen Standardcontainern ist die Führung Rotterdams unter Europas Häfen unangefochten.

Doch alle Nordhäfen bis hin nach Hamburg sollten die Entwicklung in Griechenland sehr ernst nehmen. Chinesische Investoren haben den Hafen in Piräus aus dem Tiefschlaf geweckt und den Umschlag binnen weniger Jahre verzehnfacht. Nächstes Ziel: der Aufstieg zu einem der führenden europäischen Häfen.

Das ließe sich als Träumerei abtun, fehlt der Stadt doch die Infrastruktur, um den Weitertransport derart gewaltiger Gütermassen zu organisieren. Straße wie Eisenbahn wären gar nicht in der Lage, das Hinterland zu erschließen. Wie weit das reicht, zeigt Rotterdam: Von dort wird heute sogar Norditalien mit Waren aus dem fernen Osten versorgt. Und nicht über einen der Mittelmeerhäfen.

Genau das wollen die Chinesen aber in Griechenland ändern. Deshalb finanzieren sie nicht nur den Hafenausbau, sondern auch Projekte wie die Eisenbahnverbindung zwischen Budapest und Bukarest. All das ist Teil des Pekinger Megaprojekts „Neue Seidenstraße“.

Sind die Chinesen damit erfolgreich, könnten sie die bestehende Transportlogistik zwischen Europa und China auf den Kopf stellen – zulasten der etablierten Häfen im Norden.

Diese Bedrohung ist real, und wir Deutschen tun derzeit jedenfalls alles dafür, dass es so kommt: Der Ausbau der europäischen Bahnstrecke Rotterdam-Genua durch den Gotthard stockt, beim Brennertunnel wird noch immer eifrig über die Anschlüsse der Eisenbahnen aus Deutschland gestritten. So gesehen, müssen sich die Chinesen mit ihren Plänen in der Ägäis nicht einmal beeilen.

Mehr: Seit dem Kauf durch chinesische Investoren eilt Griechenlands größter Hafen von einem Rekord zum nächsten. Das hat Auswirkungen bis nach Nordeuropa.

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