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12.07.2022

10:57

Kommentar

Die deutsche Industrie darf das China-Risiko nicht unterschätzen

Von: Kevin Knitterscheidt

Die Industriebetriebe waren im Umgang mit Russland zu blauäugig – und müssen dafür nun einen hohen Preis bezahlen. Das darf sich bei China nicht wiederholen.

Die Corona-Schutzmaßnahmen in China sind für viele deutsche Unternehmen eine große Belastung. Doch im Vergleich zu möglichen Folgen politischer Konflikte zwischen China und dem Westen ist die Bedrohung eher klein. Reuters

Ausgehviertel in Hongkong

Die Corona-Schutzmaßnahmen in China sind für viele deutsche Unternehmen eine große Belastung. Doch im Vergleich zu möglichen Folgen politischer Konflikte zwischen China und dem Westen ist die Bedrohung eher klein.

Wenn die deutsche Industrie dieser Tage über Probleme in China spricht, dann geht es dabei meist um eher kurzfristige Störungen – zum Beispiel um Lockdowns, die die Produktion erschweren, oder Hafenschließungen, die globale Logistikketten durcheinanderbringen. Das Schreckensszenario einer wirtschaftlichen Abkapselung der Volksrepublik vom Westen malt hingegen kaum jemand an die Wand.

In den Chefetagen regiert der Optimismus, dass die Verflechtungen beiderseits zu eng sind, um wegen politischer Differenzen aufeinander verzichten zu können. Das ist allerdings blauäugig, wie der Krieg in der Ukraine zeigt. Über Jahrzehnte hat sich die deutsche Industrie von russischen Gaslieferungen abhängig gemacht – was sich nun, da Russland sein Gas als politisches Druckmittel einsetzt, bitter rächt.

Inwieweit diese Situation vorherzusehen war, ist heute unerheblich. Wichtiger ist, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Jedes Unternehmen, das im Moment einen nennenswerten Teil seiner Wertschöpfung mit chinesischen Kunden und Lieferanten bestreitet, muss sich deshalb spätestens jetzt diese Frage stellen: Was passiert, wenn sich das Land vom wirtschaftlichen Partner zum politischen Gegner entwickelt?

Liste potenzieller Konflikte ist lang

Anhaltspunkte für diese Entwicklung gibt es schon heute: angefangen beim Streit über die Hoheit im Südchinesischen Meer, über die Menschenrechtsverletzungen in der Provinz Xinjiang, bis hin zu einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung um die Republik Taiwan, die von der Regierung in Peking als eigenes Hoheitsgebiet betrachtet wird. In allen Fällen vertreten der Westen und Peking diametral entgegenstehende Positionen.

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    Eskaliert nur einer dieser Konflikte, wären die Folgen für die deutsche Wirtschaft um mehrere Dimensionen größer als der Ausfall russischer Gaslieferungen. Wer sich auf diese langfristigen Risiken jetzt nicht vorbereitet, handelt grob fahrlässig – und verliert damit das moralische Recht auf finanzielle Unterstützung des Staates, sollten eines Tages Barrieren zwischen Europa und China entstehen.

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