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04.05.2022

10:45

Kommentar

Die drei großen Fehler der Fed und ihre Folgen

Von: Frank Wiebe

Die Notenbank der USA hat spät auf die hohe Inflation reagiert. Ein Grund dafür ist eine verfehlte, wenig vorausschauende Strategie.

Spätes Anlaufen der US-Notenbank gegen die starke Inflation. Reuters

Zentrale der Federal Reserve in Washington D.C.

Spätes Anlaufen der US-Notenbank gegen die starke Inflation.

Die US-Notenbank (Fed) steht unter enormem Druck, die Inflation von zuletzt 8,5 Prozent wieder einzufangen. Seit Monaten werfen Ökonomen ihr vor, die hohen Preise zu bereitwillig als „vorübergehendes“ Phänomen eingestuft zu haben. Zugleich ist an den Märkten die Sorge abzulesen, sie könne, nachdem sie zu spät reagiert hat, mit einer umso härteren Geldpolitik die USA in eine Rezession treiben.
Vor dem Hintergrund lohnt es sich, der Frage nachzugehen: Was genau waren die Fehler der Fed?
Dabei fallen drei Punkte ins Auge. Einmal hat die Fed sich wahrscheinlich zu einseitig auf ökonomische Modelle verlassen, die häufig Prognosen abwerfen, die langfristig zu einem mittleren Wert der Vergangenheit tendieren. Diese Modelle haben vor Corona die Inflation beständig überschätzt, und danach haben sie sie offenbar unterschätzt.

Der zweite Punkt: Die Fed hat sich vor der Coronapandemie eine neue, viel beachtete und oft auch gelobte Strategie zugelegt. Ein Kernelement davon: längere Zeit etwas höhere Inflation tolerieren, erst reagieren, wenn der Preisauftrieb deutlich erkennbar ist. Im Grunde taugt diese Strategie für die Zeit zu niedriger Inflation vor Corona.

Jetzt ist sie falsch, weil sie einen wichtigen Punkt ignoriert: Geldpolitik muss vorausschauend handeln, weil sie mit deutlicher Verzögerung wirkt.

Das Dreamteam Powell und Yellen hat nicht funktioniert

Und drittens: Die Fed hat wahrscheinlich den Einfluss der Finanzpolitik unterschätzt. Frühe Warner vor Inflation wie die Ökonomen Olivier Blanchard und Larry Summers haben vor allem die hohen Ausgabenpakete der Regierung kritisiert, die nach ihrer – inzwischen bestätigten – Auffassung zu einem Überschießen der Nachfrage über die Kapazität der US-Wirtschaft und damit zu steigenden Preisen führen mussten.

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    Eigentlich haben die USA mit Jerome Powell als erfahrenem Chef der Fed und seiner Vorgängerin Janet Yellen als heutiger US-Finanzministerin sehr gute Voraussetzungen, Finanz- und Geldpolitik aufeinander abzustimmen. Aber zu einer wirksamen Inflationsbekämpfung hätte sich die Fed schon früher gegen die Regierung stellen müssen, um mit einer straffen Geldpolitik die zu laxe Finanzpolitik abzumildern. Genau das ist nicht passiert.

    Wenn sich Geldpolitiker irren, ist das kein Grund zur Häme. Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft, sondern versucht, grob das Verhalten von Menschen einzuschätzen – den kompliziertesten uns bekannten Wesen des Universums. Trotzdem muss man festhalten: Die Folgen einer nachhaltig hohen Inflation oder einer Rezession dürften gravierend sein.

    In den USA könnte beides einen Sieg der Republikaner herbeiführen, die sich mit ihrer Weigerung, eine Wahlniederlage anzuerkennen, aus dem demokratischen Konsens verabschiedet haben.

    Eine zweite Wahl von Donald Trump als US-Präsident würde zudem die geopolitische Solidarität der freien Welt aufweichen. Und eine US-Wirtschaftskrise oder weiter stark steigende Zinsen treffen untern anderem viele durch hohe Lebensmittelpreise geschwächte Schwellenländer und könnten deren Stabilität untergraben.

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