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02.12.2019

12:45

Kommentar

Die Effizienzprogramme der Dax-Konzerne wirken

Von: Ulf Sommer

Viele Großkonzerne haben sich vor einem Jahr milliardenschwere Sparprogramme verordnet. Die Entscheidung stellt sich nun als weitsichtig heraus.

Zum befürchteten Crash ist es in der Realwirtschaft nicht gekommen. Imago

Börse in Frankfurt

Zum befürchteten Crash ist es in der Realwirtschaft nicht gekommen.

Ein Jahr ist es her, dass sich die deutsche Großindustrie auf die drohende große Krise der Weltwirtschaft vorzubereiten begann. Allein die Vorstände der 30 Dax-Konzerne legten Effizienzprogramme auf, um mithilfe von Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und Abfindungen 100.000 Stellen abzubauen. Hinzu kamen Sparprogramme, mit denen die Unternehmen ihre Gewinne künftig Jahr für Jahr um zusammengerechnet 20 Milliarden Euro verbessern wollen.

Das entspricht fast einem Viertel des gesamten Nettogewinns im abgelaufenen Geschäftsjahr. So streicht Bayer weltweit 12.000 Stellen, das sind zehn Prozent der Belegschaft, um 2,6 Milliarden Euro jährlich einzusparen. Volkswagen will bis 2020 die Kosten um drei Milliarden und bis 2022 um weitere drei Milliarden Euro drücken.

Und bei Heidelberg Cement reiht sich – gemäß der Devise von Vorstandschef Bernd Scheifele „Zehn Prozent gehen immer“ – schon lange ein Sparprogramm an das nächste – egal ob gerade Krise ist oder nicht.

Ein Jahr später ist klar, dass die große Krise bislang ausfällt. Mit 30 Milliarden Euro im abgelaufenen Quartal und vermutlich 130 Milliarden Euro im Gesamtjahr verdienen die 30 Dax-Konzerne 2019 vor Steuern und Zinsen in etwa so viel wie in den beiden Jahren zuvor.

Das ist bemerkenswert, denn 2017 war das stärkste Gewinnjahr überhaupt.

Grafik

Aber vorbei ist die Krise deshalb noch lange nicht. Das belegte am Dienstag der drastische Umsatzeinbruch in der Chemie- und Pharmaindustrie und ihr düsterer Ausblick. Angesichts der sinkenden Nachfrage fallen die Weltmarktpreise für Grundstoffe, worunter BASF, Covestro und Co. leiden.

Krisenhaft sieht es angesichts der Umstellung vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb auch in der Automobilwirtschaft und bei den vielen Zulieferern aus. Und Deutschlands Maschinenbauer leiden darunter, dass aus Amerika, vor allem aber aus dem einstigen Boomland China weniger Aufträge kommen. Damit verharren Deutschlands drei wichtigste Industriebranchen angesichts des schwachen Welthandels in der Rezession.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Umso wertvoller sind die vor einem Jahr vereinbarten Effizienz- und Sparprogramme. Sie beginnen erst jetzt ihre Wirkung zu entfalten – und sie tragen in den Firmenbilanzen zur Entspannung bei, falls die erhoffte Konjunkturwende auch 2020 oder gar 2021 ausbleiben sollte.

Dabei geht es keineswegs bloß um schwarze und rote Zahlen, sondern um den Verzicht auf Massenentlassungen. Genügend Eigenkapital infolge größerer Sparanstrengungen und verringerte Ausgaben sind dafür die beste Voraussetzung.

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