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24.11.2022

19:23

Kommentar

Die Energiewende lebt – dem Energieschock sei Dank

Von: Anja Müller

Nicht die politischen Anreize, nicht die unternehmerische Vernunft – es sind die Preissignale, die die Energiewende voranbringen.

Dort, wo es geht, installieren viele Unternehmen Solaranlagen auf den Firmendächern. Die Argumente es nicht zu tun, gehen aus. dpa

Solardächer

Dort, wo es geht, installieren viele Unternehmen Solaranlagen auf den Firmendächern. Die Argumente es nicht zu tun, gehen aus.

Drohende Rezession, Energienotstand, stockender Welthandel – positive Nachrichten hatten zuletzt Seltenheitswert für deutsche Unternehmen. Nun aber gibt es erste Hoffnungssignale: Der grüne Umbau in den deutschen Unternehmen kommt voran – und das ist nicht zuletzt auch dem Energienotstand zu verdanken.

Drei Viertel der von Forsa befragten mittelständischen Unternehmen haben bereits in erneuerbare Energien investiert oder werden dies kurzfristig tun. Das war vor einem Jahr noch nicht absehbar – und das ist für die gesamte Volkswirtschaft eine positive Nachricht.

Für die jetzt entfachte Dynamik bei den Unternehmen gibt es vier Ursachen. Erstens, durch die massiven Engpässe und Preissteigerungen bei Gas und Strom infolge des Ukrainekriegs ist billiges Gas passé, und zwar für immer. Das ist inzwischen auch den letzten Unternehmern klar geworden. Dass sie in der Not jetzt zum Teil auch auf Öl umstellen, spricht nicht gegen diesen Trend, der viel langfristiger ist als die akute Not.

Zweitens haben die Unternehmer darüber hinaus verstanden, dass Energieautarkie zwar häufig nicht zu erreichen, Energie-Diversität aber zwingend erforderlich ist. Und daher führt an den erneuerbaren Energien kein Weg vorbei, wenn die Firmen sich unabhängiger von einzelnen Energiequellen machen wollen.

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    Dies muss spätestens jetzt Teil des Risikomanagements sein. Energie-Unabhängigkeit bringt Zukunftsfähigkeit. Denn die Kunden, seien es andere Unternehmen oder Verbraucher, verlangen es auch.

    Die Preissteigerungen haben die Kalkulationsgrundlage verändert

    Drittens war das häufigste Argument gegen Investitionen in erneuerbare Energien von dem Gedanken getragen, dass diese sich für die Firmen nicht rechneten. Die Preissteigerungen, die auch die Gas- und Strompreisbremse nicht ausreichend abfedern werden, haben die Kalkulationsgrundlage verändert: Investitionen in die erneuerbaren Energien lohnen sich. Zumal die Politik nun ebenfalls bisherige Hürden, von denen es genug gegeben hat, abbaut.

    Viertens haben durch die Bestrebungen der EU, die Förderung von Krediten in mehr Nachhaltigkeit zu fordern, Stichwort EU-Taxonomie, auch die Banken ein gesteigertes Interesse, solche Investitionen in erneuerbare Energien zu vergeben.

    Kurzum: Nun wollen Unternehmen, Politik und Banken in dieselbe Richtung gehen. Wer sollte den grünen Umbau also aufhalten?

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass weder Kundenwünsche noch die EU-Taxonomie allein diesen grünen Wandel herbeigeführt haben. Wie damals während der Ölkrise, die einen Energieeffizienz-Schub mit sich brachte, war es mit dem Ukrainekrieg wieder ein großer exogener Schock, der den Wandel brachte. Schade eigentlich.

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