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29.10.2019

16:47

Kommentar

Die EZB sollte Notenbankkonten für alle einführen

Von: Yasmin Osman

Wenn Banken Negativzinsen verlangen wollen, sollten Kundengelder als Sondervermögen gelten. Es muss Waffengleichheit zwischen Kunde und Bank herrschen.

Banken müssen selbst Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. dpa

Das Erbe von EZB-Präsident Draghi

Banken müssen selbst Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Frankfurt Das Rundschreiben der Volks- und Raiffeisenbanken zeigt, dass Minuszinsen selbst für Privatkunden zu einem ganz normalen Phänomen werden dürften. Auf den ersten Blick wirkt das fair: Schließlich müssen die Banken selbst Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen den Negativzinsen der EZB und den Negativzinsen der Banken. Ein Guthaben auf einem Konto bei der EZB – oder genauer bei der Bundesbank – ist grundsätzlich insolvenzfest. Schließlich handelt es sich um von der Notenbank geschaffenes Geld – und eine Notenbank geht nicht pleite.

Bei Kundeneinlagen auf Bankkonten ist das anders: Denn Einlagen sind Kredite der Kunden an ihre Banken. Und der gesetzlich verankerte Insolvenzschutz für Einlagen endet bei 100.000 Euro. Sicheres Notenbankgeld können Privatleute und Unternehmen nur als Bargeld bunkern. An ein Bundesbank-Konto kommen dagegen nur Banken.

Wenn Banken also schon „Verwahrgebühren“ verlangen wollen, dann sollten sie diese Ersparnisse auch so sicher verwahren wie Vermögenswerte im Tresor: als treuhänderisches Sondervermögen – und nicht als Kredit an die Bank. Noch einfacher wäre es, wenn die EZB elektronisches Notenbankgeld oder Notenbankkonten für alle einführt. Das ist keine irre Vision. Schwedens Riksbank experimentiert längst mit der Digitalwährung E-Krona.

Ein E-Euro würde nicht vor Negativzinsen schützen. Aber er wäre krisenresistenter als ein Bankguthaben. Und seine Existenz würde für Waffengleichheit zwischen Kunde und Bank sorgen. Solange Kunden sich in Notenbankgeld flüchten können, müssen Banken darauf achten, sie nicht allzu sehr zu verprellen. Nicht weil sie aktuell so interessiert an Einlagen wären, sondern weil sie diese in Zukunft irgendwann wieder als Finanzquelle brauchen könnten. Bislang werden die Ersparnisse der Bankkunden im Bankensystem eingesperrt.

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