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06.01.2022

20:23

Kommentar

Die EZB wird es nicht allen recht machen können

Von: Frank Wiebe

Die Teuerungsrate in Deutschland legt zum Jahresende 2021 erneut zu. Die EZB gerät damit unter Druck: Hohe Inflation plus steigende Renditen sind eine schwierige Mischung.

EZB: Hohe Inflation plus steigende Renditen - Druck von zwei Seiten dpa

Europäische Zentralbank in Frankfurt

Im Dezember hatte die EZB beschlossen, ihr Pandemie-Kaufprogramm PEPP im März auslaufen zu lassen. Danach will sie ihr älteres Kaufprogramm (APP) aufstocken.

Die Inflation in Deutschland lag im Dezember mit 5,3 Prozent abermals höher als im Vormonat, außerdem auch über den Erwartungen der Ökonomen. Immerhin sind die Preise im Monatsvergleich nur um 0,3 Prozent gestiegen nach 0,7 Prozent im Vormonat.

Trotzdem: Die hohe Prozentzahl im größten Euro-Land mit der größten Inflationsangst setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck. Allzu sehr kann sie sich nicht darauf verlassen, dass der Preisdruck im Laufe des Jahres nachlässt, auch wenn das die meisten Ökonomen immer noch voraussagen.

Hinzu kommt jetzt der Druck aus den USA. Die US-Notenbank (Fed) hat die Märkte aufgeschreckt, die Renditen jenseits des Atlantiks steigen und bringen die im Euro-Raum ebenfalls ins Laufen. Damit entsteht von allein eine Art Straffung der Geldpolitik, ohne dass die EZB sich rühren muss. Zugleich wird es für Regierungen hochverschuldeter Euro-Länder aber teurer, sich zu refinanzieren.

Auf der EZB lastet jetzt Druck von zwei Seiten. Die Erwartung steigt, dass sie ähnlich wie die Fed stärker auf die Inflation reagiert. Zugleich würden die ohnehin steigenden Renditen dafür sprechen, etwas vorsichtiger vorzugehen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kann es also nicht allen Seiten recht machen.

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    Damit kommt auf Lagarde eine schwierige Kommunikationsaufgabe zu. Sie muss deutlich machen, dass sie die Inflation sehr ernst nimmt. Zugleich darf sie nicht den Eindruck erwecken, dass die EZB zu große Sorgen hat – denn das würde die Inflation nur noch anheizen. Sie sollte nicht zu sehr darauf hinweisen, dass die EZB auch weiterhin den Anstieg der Renditen im Euro-Raum verhindern kann.

    Denn damit brächte sie die Notenbank in den Ruch der Staatsfinanzierung. Außerdem würde das die Wahrnehmung nur verstärken, dass Fed und EZB auseinanderdriften. Zugleich sollte Lagarde die Besitzer von Euro-Anleihen aber nicht noch zusätzlich verunsichern. Kein leichter Job!

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