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15.06.2022

22:23

Kommentar

Die Fed geht die Inflation endlich an – doch Powell wirkt dabei wie ein Getriebener

Von: Frank Wiebe

Der Fed-Chef zeigt Entschlossenheit, die Inflation ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Der Übergang in eine neue Wirtschaftsordnung scheint angebrochen.

Der Präsident der US-Notenbank Fed räumte Fehler bei der Inflationseinschätzung ein. Reuters

Jerome Powell

Der Präsident der US-Notenbank Fed räumte Fehler bei der Inflationseinschätzung ein.

Mit einem Zinsschritt von einem dreiviertel Prozentpunkt ist die US-Notenbank Fed einen ungewöhnlichen Schritt gegangen: Der Schritt ist der größte seit fast 30 Jahren. Die gute Nachricht: Die Fed stellt jetzt eindeutig die Bekämpfung der Inflation in den Vordergrund. Zwar hat sie, anders als zum Beispiel die Europäische Zentralbank (EZB), gleichgewichtig zur Preisstabilität auch die Vollbeschäftigung als Ziel. Aber Notenbankchef Jerome Powell hat nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses deutlich gemacht, dass ohne stabile Preise langfristig auch der Arbeitsmarkt nicht gut funktionieren kann.

Die schlechte Nachricht: Powell wirkt wie ein Getriebener. Wie seine Kritiker ihm vorwerfen, hat er nicht agiert, sondern reagiert. Er räumt relativ offen ein, dass er von der Stärke der Inflation immer wieder überrascht wurde. In dieser Rolle, als Getriebener, wird es für ihn schwer, eine sogenannte „weiche Landung“ der Volkswirtschaft hinzubekommen. Also die Inflation zu stoppen, ohne eine schwere Rezession auszulösen.

Powell hat auch mehrfach betont, dass sich die Welt mit der Pandemie und Putins Angriffskrieg in der Ukraine völlig verändert hat. Jahrzehntelang sind die Preise eher zu langsam gestiegen, jetzt rennen sie davon. „Vorübergehend“, wie anfangs vielfach geglaubt, ist dieser Trend nicht. Ob er wirklich dauerhaft bleibt, ist noch offen. Aber auffällig ist schon, dass sich inzwischen auch Bankökonomen auf eine längere Zeit höherer Inflation einstellen.

Vielleicht leben wir wirklich in einer neuen Welt auf Dauer etwas schneller steigender Preise – wegen enger Arbeitsmärkte infolge einer schrumpfenden Bevölkerung, hoher Investitionen in Rüstung und klimafreundliche Energie und höherer Realzinsen. Das muss keine schlechte Welt sein, wenn sie wieder ins Gleichgewicht gerät und sich alle daran gewöhnt haben. Aber der Übergang ist schwer.

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