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11.05.2022

18:47

Kommentar

Die Fed hätte früher handeln müssen, um die Rezession milder zu halten

Die Inflation in den USA steigt über acht Prozent. Reaktionen sind zu erwarten: Wenn die Fed eine Rezession erzeugt, wird das politisch gefährlich.

In den USA deuten Politiker schon an, dass die Inflation nur durch Eingriffe in die Wirtschaft unter Kontrolle bringen. Reuters

Jerome Powell

In den USA deuten Politiker schon an, dass die Inflation nur durch Eingriffe in die Wirtschaft unter Kontrolle bringen.

Wenn eine Rezession das kleinere von zwei wirtschaftlichen Übeln ist, dann sieht es nicht gut aus. In den USA haben einige Geldpolitiker vor den neuesten Inflationszahlen angedeutet, dass die US-Notenbank (Fed) ohne eine deutliche Dämpfung der wirtschaftlichen Aktivität die Preise nicht unter Kontrolle bringen wird. Die neue Zahl von 8,3 Prozent Preissteigerung im April im Vergleich zum Vorjahresmonat bestätigt das.

Trotz eines zwischenzeitlichen Falls der Energiepreise – der inzwischen schon wieder vorbei ist – und trotz eines statistischen Basiseffekts lag die Zahl kaum niedriger als vor einem Monat mit 8,5 Prozent.

Zwar zeigte sich im Monatsvergleich eine abnehmende Dynamik, die aber hauptsächlich mit den Schwankungen der Energiepreise zu tun hatte; außerhalb dieses Bereichs hat die Dynamik zugenommen. Die Statistik macht zugleich deutlich, dass der Preistrend sich verbreitert hat in alle Bereiche der US-Wirtschaft hinein.

Hätte die Fed eher auf Inflationsbekämpfung umschalten sollen? Wahrscheinlich. Aber auch das hätte nichts daran geändert, dass der Preisanstieg stark von einer Verknappung des Angebots herrührt. Anders gesagt: Eine frühere Reaktion hätte vielleicht zu einer früheren, dafür etwas milderen Rezession geführt. Das Grundproblem ist, dass es in den USA zu wenig Angebot gibt.

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    Weil die Fed das Angebot nicht erhöhen kann, muss sie die Nachfrage abwürgen, damit die Inflation sich nicht verstetigt, also aus eigenem Antrieb immer weiterläuft. Zugleich findet damit eine Umverteilung der Lasten statt, die letztlich von der Corona-Pandemie und dem Krieg in Europa herrühren: Inflation trifft alle Verbraucher, Rezession trifft sehr viel konzentrierter diejenigen, die ihre Jobs verlieren.

    Die politische Gefahr, die sich aus diesem Szenario ergibt, ist groß. Bis zum Herbst dürften die hohen Preise noch anhalten – dann stehen die Zwischenwahlen für das Abgeordnetenhaus und den Senat an. Danach bekommt die Fed hoffentlich die Preise in den Griff , aber produziert wahrscheinlich leider eine Rezession.

    Europa muss selbstständiger werden

    Wenn die lange dauert und schmerzhaft ist, spielt sie schon wieder in die kommenden Präsidentschaftswahlen hinein, bei denen sich Donald Trump erneut bewerben dürfte. Die russische Attacke auf die Ukraine und zugleich die westliche Demokratie hat gezeigt, wie wichtig die USA als Verbündete sind.

    Aber Trump und ein großer Teil der Republikaner haben gezeigt, dass ihnen Macht wichtiger ist als Demokratie. Selbst wenn man nicht das schlimmste Szenario befürchtet: Europa muss lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

    Von

    fw

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