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23.06.2022

04:00

Kommentar

Die Finanzbranche geht zu leichtfertig mit der Diversität um

Von: Yasmin Osman

Gerade die deutsche Finanzbranche tut sich mit Frauen in Führungspositionen noch immer schwer. Dabei ist eine angemessene Frauenquote erst der Beginn der Diversität.

In der deutschen Finanzbranche sind Vorständinnen nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel. dpa

Bankenskyline in Frankfurt

In der deutschen Finanzbranche sind Vorständinnen nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel.

Frankfurt Vielfalt in den Topetagen von Unternehmen rechnet sich. Weil diverse Teams innovativer und produktiver sind. Das belegen mittlerweile viele Studien. Gemessen daran ist es ein Armutszeugnis, dass weibliche Führungskräfte in der Wirtschaft im Allgemeinen und in der deutschen Finanzbranche im Besonderen noch immer die Ausnahme und keine Selbstverständlichkeit sind. Denn ein höherer Frauenanteil kann bestenfalls ein Anfang für mehr Vielfalt in den Chefetagen sein.

Echte Diversität, die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten und Blickwinkel, ist weit mehr als nur eine Frage des Geschlechts. Kinder aus dem gehobenen Bildungsbürgertum, die an der gleichen Elite-Hochschule ihren Abschluss machen und danach ein paar Jahre für McKinsey arbeiten, dürften sich unabhängig von ihrem Geschlecht ähnlicher sein als Kolleginnen und Kollegen, die sich erst über den zweiten Bildungsweg hochgearbeitet haben oder in zwei Kulturen groß geworden sind.

Wenn also etwa Frauen eingebläut wird, welche männlichen Verhaltensmuster sie am besten kopieren sollten, um aufzusteigen, dann läuft in der Debatte etwas gründlich schief. Und solange Deutschland es zulässt, dass die soziale Herkunft die Bildungs- und Aufstiegschancen von Kindern so stark mitbestimmt, verhält es sich nicht nur unfair, sondern geht auch verschwenderisch mit seinen Talenten um.

Doch Unterschiede jenseits des Geschlechts spielen in der deutschen Debatte um Diversität bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Die USA sind in dieser Frage schon weiter. Dort dreht sich die Debatte um die „richtige Mischung“ längst auch um Aspekte wie die ethnische Herkunft, die religiöse oder auch sexuelle Orientierung. Nichts davon macht eine bessere Förderung von Frauen in Führungspositionen überflüssig. Doch für echte Vielfalt kann Frauenförderung nur eine Brückentechnologie sein.

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