Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2019

16:44

Kommentar

Die Fünf-Milliarden-Dollar-Strafe ist für Facebook kaum spürbar

Von: Sebastian Matthes

Wegen gravierender Datenschutzverstöße muss Facebook eine Rekordsumme zahlen. Sein Verhalten wird das Unternehmen deswegen aber nicht ändern.

Die Summe ist nicht viel mehr als ein Kratzer in der Bilanz von Facebook. dpa

Facebook

Die Summe ist nicht viel mehr als ein Kratzer in der Bilanz von Facebook.

Keine Frage, die Summe ist gewaltig. Wegen gravierender Datenschutzverstöße wird die US-Verbraucherschutzbehörde FTC Facebook zu einer Strafe von fünf Milliarden Dollar verdonnern – eine Rekordsumme: Die bislang höchste von der FTC verhängte Strafe lag bei 22,5 Millionen Dollar.

Trotzdem ist die Summe nicht viel mehr als ein Kratzer in der Bilanz von Facebook. Fünf Milliarden sind zu leicht verkraftbar für ein Unternehmen, das 2018 rund 22 Milliarden Dollar verdient hat. Kein Wunder, dass Facebook an der Börse kurz nach der Meldung über die Strafe um rund zwei Prozent zulegte. Die Anleger zucken mit den Schultern. Sie glauben nicht, dass sich Facebook wirklich ändern muss, und sie sehen Regulierung nicht als Risiko. Kurz: Eine wirksame Strafe hätte anders ausgesehen.

Banken etwa mussten nach der Finanzkrise deutlich höhere Bußgelder zahlen – und sie wurden zudem weit stärker reguliert. Sie hatten zweifelhafte Kredite vergeben und die Risiken daraus ahnungslosen Investoren aufs Auge gedrückt.

Nicht viel weniger schwer wiegen die Vergehen von Facebook. Das Netzwerk hat intimste Daten von Millionen Nutzern an Anbieter weitergegeben, die diese Daten wiederum teilweise genutzt haben, um Menschen manipulative politische Botschaften unterzujubeln.

So systemrelevant Banken für die Wirtschaft sind, so systemrelevant ist Facebook in vielen Ländern – auch durch die Dominanz von WhatsApp und Instagram – für Politik und Gesellschaft. Was auf der Plattform gesagt wird, kann Wahlen beeinflussen oder gewalttätige Mobs entfesseln. Dieser Verantwortung wird Facebook seit Jahren nicht gerecht.

Eine wirklich harte Strafe wäre deshalb angebracht. Der zweite Schritt wären Regeln und Kontrollen für Facebooks Umgang mit Nutzerdaten. Und die Zeit dafür drängt. Denn gerade entwickelt das Netzwerk für seine 2,3 Milliarden Nutzer eine eigene Währung. Damit wird der Einfluss von Mark Zuckerbergs Imperium auf das Leben von Milliarden Menschen noch zunehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×