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14.11.2022

17:30

Kommentar

Die Fußball-WM darf nicht zum moralischen Feigenblatt im Umgang mit Katar werden

Von: Florian Kolf

Wer die Fußball-WM in Katar verteufelt, aber zugleich nach Flüssiggas aus dem Emirat giert, setzt sich zu Recht dem Vorwurf der Doppelmoral aus.

Viele Markenhersteller fragen sich, ob sie mit der Fußball-WM in Katar werben dürfen. WITTERS

Khalifa International Stadion in Doha

Viele Markenhersteller fragen sich, ob sie mit der Fußball-WM in Katar werben dürfen.

Die Verunsicherung unter vielen Markenherstellern ist groß: Sollte man, ja darf man überhaupt mit der Fußball-WM werben? Denn kaum taucht der Name Katar in einer Marketingkampagne auf, schlagen die Wellen der Empörung hoch. Wie kann man mit diesem Sport-Event Geld verdienen wollen, wenn in dem Emirat elementare Menschenrechte nicht geachtet und Frauen unterdrückt werden und Homosexualität unter Strafe steht?

Viele der Vorwürfe sind richtig und es ist notwendig, immer wieder darauf hinzuweisen. Doch dass sich die öffentliche Empörung und Boykottaufrufe so auf die Fußball-WM konzentrieren, mutet etwas seltsam an.

Schließlich ist Katar wie selbstverständlich ein immer wichtiger werdender Handelspartner für Deutschland. Um 75 Prozent stieg der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern im vergangenen Jahr. Und auch als Investor ist der Wüstenstaat willkommen, nicht nur bei Großunternehmen wie VW oder der Deutschen Bank, sondern auch bei vielen Start-ups.

Kein Fan braucht sich für WM-Begeisterung zu schämen

Wir müssen uns schon entscheiden: Setzen wir auf das Prinzip „Handel durch Wandel“ und hoffen, dass durch enge Wirtschaftsbeziehungen sich auch die Situation im Land für Minderheiten ändert? Oder boykottieren wir das Land, weil es unsere Werte nicht im gleichen Maße lebt? Wer die Fußball-WM in Katar verteufelt, aber gleichzeitig nach Flüssiggas aus dem Emirat giert, um im Winter keine kalten Füße zu bekommen, der setzt sich zu Recht dem Vorwurf der Doppelmoral aus.

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    Die Gefahr ist groß, dass der Fußball zum moralischen Feigenblatt wird. Hier wird jetzt alles abgearbeitet, was sonst gerne nur am Rande thematisiert wird. Doch wenn wir mit lautstarker Kritik an der WM unser Gewissen beruhigen, aber ansonsten ungeachtet der Probleme im Land mit Katar gute Geschäfte machen, ist nichts gewonnen.

    Es gibt viele Dinge rund um die Fußball-WM, die aufgeklärt und kritisiert werden müssen, von Korruptionsvorwürfen bei der Vergabe bis hin zu Todesfällen auf den Baustellen. Und die Unterdrückung von Minderheiten darf nicht schamhaft verschwiegen werden – gerade auch während der Fußball-WM. Deswegen ist es falsch, wenn die Fifa dem dänischen Nationalteam verbietet, in Trikots zu trainieren, auf denen „Menschenrechte für alle“ steht.

    Trotzdem hat Katar wie jedes andere Land das Recht, eine Fußball-WM ausrichten zu dürfen, genauso wie sie schon Formel-1-Rennen und eine Handball-WM veranstaltet haben. Und wer sich über das Sport-Event freut und mit seiner Nationalmannschaft mitfiebert, braucht sich dafür nicht zu schämen. Genauso wenig wie Markenhersteller, die mit dem Turnier werben.

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