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20.11.2019

09:09

Kommentar

Die Geheimniskrämerei von Wirecard ist kein Unfall, sondern ein Dauerproblem

Von: Felix Holtermann

Wirecards Singapurtochter hat keinen testierten Abschluss. Das Hauptproblem ist jedoch die Tatsache, dass der Konzern nicht darüber informiert.

Das Beschweigen von Unangenehmem hat bei Wirecard System. Bloomberg/Getty Images

Messestand von Wirecard in Singapur

Das Beschweigen von Unangenehmem hat bei Wirecard System.

Es war ein Satz wie ein Fanfarenstoß: „Alle unsere Firmen sind geprüft“, hatte Markus Braun bei der Bilanzpressekonferenz von Wirecard gesagt. Der Konzern sei komplett testiert, so die beruhigende Botschaft des Vorstandschefs.

Nun stellt sich heraus: Ganz so klar ist die Lage nicht. Ausgerechnet für den letzten Abschluss der heiß diskutierten Singapureinheit verweigerte der Wirtschaftsprüfer sein Testat. Bereits der Vorgang allein ist ein Problem – zum Menetekel wird sein Beschweigen.

Klar ist: In jedem Unternehmen können Probleme in der Buchhaltung auftreten. Belege verschwinden, Mitarbeiter irren sich, nicht immer in böser Absicht. Üblicherweise fallen solche Probleme im Rahmen der Abschlussprüfung auf und werden geheilt.

Im Fall Wirecard ist das nicht geschehen. Stimmen aus dem Konzern verweisen auf die Ermittlungen in Singapur und das Drunter und Drüber, das nach dem Abgang des lokalen Finanzchefs geherrscht habe.

Doch das kann allenfalls eine schwache Begründung sein, die Öffentlichkeit über diesen Fakt im Unklaren zu lassen. Wenn das verweigerte Testat so einfach erklärt werden kann, ist es umso fraglicher, warum der Konzern die Anleger nicht aktiv darüber informiert hat.

Das Beschweigen von Unangenehmem hat bei Wirecard System. Schon im Fall des Whistleblowers in Singapur beschwichtigte der Konzern zunächst, um im Nachhinein dann doch Fehlbuchungen und mögliche Straftaten lokaler Mitarbeiter einzuräumen.

Im Fall der zuletzt umstrittenen Dubai-Töchter erklärte Wirecard, diese seien durchgeprüft, bis herauskam, dass sie zwar im Rahmen der gesamtheitlichen Konzernprüfung eine Rolle spielten, jedoch nicht von einem Prüfer vor Ort durchleuchtet worden waren.

Wie allzu oft bei Wirecard erfährt die Öffentlichkeit nur scheibchenweise die Wahrheit. Die Geheimniskrämerei ist kein Unfall, sondern ein Dauerproblem. Es setzt sich ein Bild zusammen: das eines beratungsresistenten Vorstands.

Kommentare (1)

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Herr Frank Krebs

20.11.2019, 14:15 Uhr

HB beschäftigt sich mit dem Thema WIRECARD geradezu obsessiv. Ganz offen: Wirecard ist ein sehr innovativer und expansiver Anbieter in einem Billionen-Markt. Die Verdienstmöglichkeiten sind gewaltig, klar stürzen sich da interessierte Kreise auf jedes Detail, das bei anderen Unternehmen nicht mal ein Zucken im Mundwinkel der Investoren hervorrufen würde. Wirecard hat über den hier diskutierten Umstand vermutlich nicht informiert weil er als gänzlich unbedeutend eingeschätzt wurde. Demnächst wird von Wirecard auch eine ADHOC Meldung verlangt, wenn der CEO sich eine Kravatte gekauft hat.(weil er ja sonst keine trägt)

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