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31.10.2019

11:08

Kommentar

Die Giffey-Entscheidung ist fast tragisch für die SPD

Von: Christian Rothenberg

Die SPD-Politikerin ist die Plagiatsvorwürfe los. In das Rennen um den Parteivorsitz wird sie aber nicht mehr eingreifen können. Dabei könnte die SPD sie so gut gebrauchen.

Die Bundesfamilienministerin verzichtete im Sommer auf eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz. AFP

Franziska Giffey

Die Bundesfamilienministerin verzichtete im Sommer auf eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz.

Franziska Giffey darf ihren Doktortitel trotz einiger Mängel in der Dissertation behalten. Für die SPD-Politikerin ist das erleichternd. Für ihre Partei und das Rennen um den SPD-Vorsitz ist die Entscheidung bitter, das Timing ist fast etwas tragisch. Giffey wurde im Sommer als Kandidatin gehandelt, verzichtete jedoch wegen der Plagiatsvorwürfe. Nun ist es zu spät. Die Enttäuschung einiger Sozialdemokraten darüber ist verständlich.

Die Regionalkonferenzen haben gezeigt: Es gibt zwar viele Ideen. Ein neuer Aufbruch, den die SPD so dringend bräuchte, ist aber nicht zu sehen. Das liegt auch daran, dass es an charismatischen Personen fehlt.

Dieses Dilemma trug dazu bei, dass die erste Mitglieder-Abstimmung so knapp ausging. Die fehlende Euphorie ist auch den eher blassen Kandidatinnen geschuldet. Klara Geywitz und Saskia Esken stehen klar im Schatten ihrer Partner Olaf Scholz und Norbert Walter-Borjans. In einer Doppelspitze würden beide es schwer haben.

Giffey führt den Genossen vor Augen, dass es geeignetere Kandidaten gäbe als die auf dem Wahlzettel. Das befördert in der SPD fantasiereiche Gedankenspiele. Die Entscheidung der Freien Universität Berlin war kaum öffentlich, da ertönten die ersten Rufe, Geywitz könne verzichten und Giffey an ihrer Stelle neben Scholz kandidieren. Theoretisch möglich wäre das, weil die Mitgliederbefragung formal nicht bindend ist.

Aber wie sähe das aus? Scholz erklärt seit Wochen, Geywitz sei die beste Partnerin, die er haben könnte. Ihre Auswechslung würde das ganze Verfahren und die Stichwahl, die in drei Wochen beginnt, ad absurdum führen. Den Mitgliedern wäre das kaum zu verkaufen.

Der SPD würde eine starke Vorsitzende gut zu Gesicht stehen und Giffey hätte das Rüstzeug dafür. Sie hat Erfahrungen in der Berliner Kommunalpolitik und als Bundesministerin, ist jung und ein unverbrauchtes Gesicht. Sie hat viele Fans in der Partei. Aber Giffey kann es nicht recht sein, sich auf Kosten einer Parteifreundin mit einem Freilos vorzudrängeln. Deshalb erklärte sie am Donnerstag, nicht mehr in den Wettbewerb einzusteigen.

Die Sozialdemokraten müssen deshalb akzeptieren, dass die wohl talentierteste Frau in der Partei zum Zuschauen verdammt ist. Das hat auch Vorzüge: Giffey ist erst 41. Ihre Zeit wird kommen. Für die SPD ist es wertvoll, noch eine geeignete Person in der Hinterhand zu haben.

Mehr: Die Bundesfamilienministerin darf ihren Titel behalten. Sie erhält lediglich eine Rüge und bleibt Dr. Giffey.

Kommentare (2)

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Herr Werner Mocke

31.10.2019, 15:01 Uhr

Die Dame hat nach wie vor betrogen. Hätte man ihr den Titel aberkannt wäre damit auch ihre Doktormutter beschädigt worden. Und das wollte man am Linksgrünen OSI Sumpf der FUB unbedingt vermeiden. Deshalb nur Rüge. Eine richtige Sauerei. Mit dieser Entscheidungsphilosophie hätten auch Schavan und Guttenberg durchkommen können. Sind halt nicht SPD.

Frau Marianne Schad

31.10.2019, 16:53 Uhr

So sehe ich das auch Herr Mocke! Hier wird wie schon lange, mit zweierlei Maß gemessen. Was hat die Presse von zu Guttenberg und Schavan zerrissen und bei Faru Giffey, hörte man seit vielen Wochen nichts mehr, das Ergebnis war mir klar.

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