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19.09.2022

15:42

Kommentar

Die globale Queen

Von: Torsten Riecke

Die weltweite Anteilnahme am Tod von Elizabeth II. zeigt auch, wie groß die Sehnsucht nach „menschlichen“ Leitfiguren ist.

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung soll die Beerdigung am TV verfolgt haben. Getty Images

Sarg von Queen Elizabeth II

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung soll die Beerdigung am TV verfolgt haben.

Es passt ganz gut zu unserer von Pestilenz und Krieg gezeichneten Epoche, dass ausgerechnet ein Begräbnis die Welt etwas näher zusammenrücken lässt. Nun ist es nicht irgendein Begräbnis. Es ist die Trauerfeier für „die Queen“, wie der republikanische Präsident Frankreichs Emmanuel Macron die verstorbene Königin mit Respekt und Zuneigung bezeichnet hat.

Und es ist auch nicht die ganze Welt, die in London zu einer kleinen UN-Vollversammlung zusammenkam: Wladimir Putin und einige andere Diktatoren mussten draußen bleiben.

Dass die Trauer um Queen Elizabeth II. zu einem globalen Ereignis werden konnte – rund die Hälfte der Weltbevölkerung soll die Beerdigung am TV verfolgt haben – hat viel mit der außergewöhnlichen Persönlichkeit der Verstorbenen zu tun. Elizabeth II. verkörperte mit ihrem Pflichtbewusstsein, ihrer Warmherzigkeit und ihrem Humor vieles von dem, was sich die Menschen von ihren Führungspersönlichkeiten wünschen. Dass die Geschichte der britischen Monarchie etwa während der Kolonialzeit auch ihre dunklen Kapitel hatte, bleibt dabei unbenommen.

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    Es waren nicht die großen Gesten, die die britische Königin zu einer globalen Queen machten, es waren ihre kleinen menschlichen Zeichen. Dass auch sie fehlbar war, wie etwa mit ihrer unterkühlten Reaktion auf den tragischen Tod Lady Dianas, macht sie dabei nur noch menschlicher.

    Vielleicht ist dies auch das Vermächtnis der Queen: Es gibt offenbar eine globale Sehnsucht nicht nach perfekten, aber nach menschlich authentischen Führungspersönlichkeiten. Dafür braucht es kein königliches Blut und auch nicht den Luxus des Unpolitischen eines repräsentativen Monarchen.

    Es ist eine Ironie unserer Zeit, dass sich viele politische Führer für Auserwählte der Geschichte halten, während die verstorbene Queen näher bei den Menschen war.

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