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11.11.2019

06:59

Kommentar

Die Grünen haben mit dem Thema Verkehrswende in Hannover einen Nerv getroffen

Von: Silke Kersting

Belit Onay wird Oberbürgermeister der niedersächsischen Landeshauptstadt. Ein grünes Kernthema entscheidet – ein wichtiges Signal für die Partei.

Der Gewinner der Oberbürgermeisterwahl in Hannover siegt dank eines grünen Kernthemas. dpa

Belit Onay

Der Gewinner der Oberbürgermeisterwahl in Hannover siegt dank eines grünen Kernthemas.

Es ist die eigentliche Botschaft dieser Wahl. Mit dem Thema Verkehrswende in Deutschland Wahlen gewinnen können – das hat Grünen-Politiker Belit Onay in Hannover jetzt vorgemacht. In Niedersachsen, dem Land von Volkswagen, rund 90 Kilometer vom Stammwerk des größten deutschen Autobauers entfernt.

Der 38-Jährige wird neuer Rathauschef in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Er setzte sich am Sonntag in der Stichwahl mit 52,9 Prozent gegen seinen CDU-Kontrahenten Eckhard Scholz durch. Zentrales Thema seines Wahlkampfs: die autofreie Innenstadt, die er bis 2030 behutsam, aber konsequent umsetzen will. Sein Ziel ist ein „mobiles Hannover, das einen menschen- und klimafreundlichen Weg aus der Sackgasse der ‚autogerechten Stadt’ findet“, wie er es selbst beschreibt.

Im Autofahrerland Deutschland ist es durchaus als kleine Sensation zu werten, dass sich die Wähler mehrheitlich für Onay entschieden haben – auch wenn eine autofreie Zone in einer Großstadt einfacher zu gestalten ist als in ländlichen Gebieten und die Wahlbeteiligung bei lediglich 43,5 Prozent lag. Wahlberechtigt waren gut 400.000 Einwohner, darunter auch 16- und 17-Jährige, was durchaus mit ein Grund für den Wunsch nach einer in einer deutschen Großstadt bislang beispiellosen Verkehrswende sein dürfte.

Onay ist mehr als zufrieden. „Wow!!! Danke!!“, twitterte der Mann, der nicht nur mit der Verkehrswende von sich reden macht. Und: Hannover habe den Aufbruch gewählt. Er wird zudem der erste Oberbürgermeister mit türkischen Wurzeln in einer deutschen Landeshauptstadt sein, wenn er dann am 28. November seinen Amtseid abgelegt hat. 

Und was sagt das Ergebnis für die Grünen insgesamt aus? Ein Sieg in einer Landeshauptstadt zwei Wochen nach der vergeigten Landtagswahl in Thüringen. In Hannover haben die Grünen den Nerv getroffen und in der Stichwahl zwischen zwei Kandidaten mehr als 50 Prozent eingefahren. Schon bei Europawahl im Mai verbuchten die Grünen in einigen Städten in Niedersachsen den ersten Platz und eroberten auch das Landratsamt in Osnabrück.

In Thüringen dagegen haben sie es mit Ach und Krach gerade eben über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft, hier hat keines der grünen Themen eine nennenswerte Unterstützung gefunden. Das zeigt die enorme Spannbreite für die ehemalige Protestpartei, die durchaus mit Mut, aber gleichzeitig einer ordentlichen Portion Realismus und einem zunehmend größeren Realitätssinn die Aufgaben der Zukunft anpacken will. Für die Grünen ist derzeit vieles möglich.

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