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05.12.2018

13:44

Kommentar

Die Japaner lassen sich endlich vom Aktionärsgeist anstecken

Von: Martin Kölling

Die Reformen der japanischen Regierung in Sachen Corporate Governance zeigen Wirkung. Konzernchefs können nicht mehr nach Belieben durchregieren.

Das Engagement aktivistischer Fonds hat sich seit 2014 auf 25 Gesellschaften verdreifacht. Reuters

Takeda-Aktionäre in Osaka

Das Engagement aktivistischer Fonds hat sich seit 2014 auf 25 Gesellschaften verdreifacht.

Es ist ein gewaltiger Fortschritt für Japans Aktionärskultur. Gleich zwei Unternehmen mussten auf außerordentlichen Hauptversammlungen ehrgeizige Fusionspläne gegen aufgebrachte Aktionäre durchsetzen.

Zwar siegte letztlich das Management. Aber die Tage, in denen Japans Konzernchefs gut geschützt durch Überkreuzbeteiligungen mit Hausbanken und Zulieferern nach Belieben schalten und walten konnten, sind vorbei. Aktionäre fordern ihre Rechte ein.

Der eine Fall betrifft die 62 Milliarden US-Dollar teure Übernahme des irischen Pillenherstellers Shire durch Japans größten Pharmakonzern Takeda. Hier machten Teile der gleichnamigen Gründerfamilie, alte Takeda-Angestellte und japanische Privatinvestoren gegen das von Ausländern dominierte Management mobil. Zu riskant sei der Deal, zu gering der Nutzen, lauteten die Argumente.

Im zweiten Fall drehte es sich um die Fusion von Alps Electric, einem Hersteller elektronischer Bauteile, mit seiner Tochter Alpine Electronics. Hier warf der aktivistische Hongkonger Investmentfonds Oasis dem japanischen Vorstand vor, Alpine-Aktionäre zu billig abspeisen zu wollen.

In beiden Fällen musste das Management auf den Widerstand reagieren. Doch was noch bemerkenswerter ist: Das öffentliche Echo war größtenteils positiv, selbst beim Angriff der Hongkonger Aktionärsaktivisten auf Alps.

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Denn kritische Großaktionäre, die der sogenannten Japan AG intransparente und wenig rentable Führung austreiben wollen, sind jetzt ausdrücklich erwünscht. Die Regierung hatte dazu 2015 die Governance-Regeln reformiert.

Diese offizielle Förderung kritischer Fragesteller wirkt. Das Engagement aktivistischer Fonds hat sich seit 2014 auf 25 Gesellschaften verdreifacht. Allein 2018 stießen neun neue Fonds nach Japan vor. Und die Widerstandsbewegung bei Takeda zeigt, dass sich auch Japaner davon anstecken lassen. Japan ist vom Aktionärsgeist infiziert.

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