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23.06.2022

18:13

Kommentar

Die Krankenhausbranche braucht einen Wechsel der Perspektive

Von: Maike Telgheder

Gesundheitsversorgung endet nicht an den Türen der Kliniken. Die geplante große Krankenhausreform muss viel stärker aus Patientensicht gedacht werden.

Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Westend61/Getty Images

Pflege im Krankenhaus

Die Branche steht vor großen Herausforderungen.

Wieder einmal drohen viele Kliniken in die roten Zahlen zu rutschen. Und wieder ruft die Branche nach zusätzlichen Finanzhilfen. Die Schere zwischen Einnahmen und Kosten geht weiter auseinander, denn an den strukturellen Problemen der Branche hat sich seit Jahren nichts geändert.

Der Markt hat Überkapazitäten, und es fehlt an Investitionen in die Modernisierung. Zu viele Kliniken bieten zu viele Leistungen an, bei denen sie mangels Fallzahlen nicht wirklich gut sein können. Pflegekräfte müssen immer mehr Zeit mit bürokratischen Aufgaben verbringen, und die Digitalisierung kommt nur langsam voran.

Geregelt wurde in den vergangenen Jahren viel: An Gesetzen und Vorschriften über Leistungsanforderungen, Qualitätsstandards oder die Ausstattung mit Pflegepersonal mangelt es nicht. Aber an die grundsätzliche Frage hat sich bisher noch keine Regierung herangewagt: Welche Gesundheitsversorgung in Deutschland brauchen und wollen wir, und wie kann sie bezahlbar bleiben?

Die neue Bundesregierung will eine große Krankenhausreform angehen. Und sie hat die Chance, die Perspektive zu wechseln. Nicht zu fragen, welche Häuser und Ärzte welche Leistungen in welchen Strukturen anbieten sollten. Sondern: Was möchten eigentlich die Patientinnen und Patienten?

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    Die suchen Hilfe, weil sie ein gesundheitliches Problem haben. Und wollen, wenn möglich, gar nicht ins Krankenhaus, sondern lieber ambulant behandelt werden. Bei schwerwiegenden Eingriffen möchten sie auch lieber von einem Spezialisten behandelt werden, von jemandem, der die Operation schon Hunderte Male und regelmäßig durchgeführt hat und sicher weiß, was er tut.

    Grafik

    Ideal wäre es für viele Genesende auch, wenn sie bei der Nachsorge von jemandem begleitet werden könnten – digital oder persönlich – , der ihre Krankengeschichte kennt.

    Patient muss schon zu Vorbeugung und Vorsorge abgeholt werden

    Medizintechnikunternehmen und digitale Gesundheits-Start-ups sprechen häufig von der „patient journey“, der Patientenreise durch das Gesundheitssystem, die sie mit ihren Produkten und Services begleiten möchten. Diesen Gedanken bei der geplanten Reform der Krankenhausbranche weiterzudenken lohnt sich.

    Dann wird aber auch schnell klar, dass eine Reform nicht auf Krankenhäuser beschränkt bleiben kann, sondern niedergelassene Ärzte und Einrichtungen miteinbeziehen muss. Der Patient darf nicht erst mit der Erkrankung auf die Reise durchs System geschickt werden, sondern sollte schon vorher zu Vorbeugung und Vorsorge abgeholt werden.

    Schon jetzt haben die Krankenkassen Milliardendefizite. Eine alternde Gesellschaft, aber auch alterndes medizinisches Personal stellen das Gesundheitssystem vor gewaltige Herausforderungen. Es ist höchste Zeit für eine echte Reform.

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