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16.03.2021

15:17

Kommentar

Die massive Kritik an RWE ist nicht mehr gerechtfertigt

Von: Jürgen Flauger

Der Energiekonzern hat die Energiewende lange verschlafen. Jetzt hat er aber die richtigen Weichen gestellt – das müssen auch Klimaschützer anerkennen.

Windparkanlage Königshovener Höhe in Bedburg (Nordrhein-Westfalen): RWE hat die erneuerbaren Energien zum neuen Kerngeschäft ausgerufen. dpa

RWE Windpark

Windparkanlage Königshovener Höhe in Bedburg (Nordrhein-Westfalen): RWE hat die erneuerbaren Energien zum neuen Kerngeschäft ausgerufen.

RWE ist seit vielen Jahren das größte Feindbild der Umwelt- und Klimaschützer. Erst in der Debatte um die Atomenergie, dann um den Kohleausstieg. Beide Schlachten hat RWE inzwischen verloren – das Feindbild von Greenpeace, BUND und Co. wird der Energiekonzern aber wohl auf ewig bleiben.

Inzwischen ist diese Frontstellung aber in dieser harten Form nicht mehr gerechtfertigt. RWE hat sich zweifellos viel zu lange gegen die Energiewende gewehrt und krampfhaft an Atom- und Kohleverstromung festgehalten.

Auch mag die Neuausrichtung letztlich nicht wirklich freiwillig vollzogen worden sein, sondern auf Druck von Politik und Öffentlichkeit.

Jetzt richtet sich der Konzern aber endlich auf die erneuerbaren Energien aus. RWE hat nach dem Tauschgeschäft mit Eon wieder ein starkes Standbein bei den erneuerbaren Energien. Bei Offshore-Windenergie ist der Konzern schon die Nummer zwei weltweit.

Natürlich fördert RWE auch noch im großen Stil Braunkohle und wird vielleicht bis 2038 Kohlekraftwerke betreiben. Die knapp 70 Millionen Tonnen CO2, die der Konzern im vergangenen Jahr ausgestoßen hat, sind 70 Millionen Tonnen zu viel im Kampf gegen die Klimaerwärmung.

RWE muss den Worten Taten folgen lassen

Entscheidend ist doch aber die Richtung, die das Management eingeschlagen hat. Der Kohleausstieg ist beschlossen und der Pfad in Abstimmung mit der Politik vorgezeichnet. Das letzte Kohlekraftwerk mag erst 2038 vom Netz gehen, aber der Ausstieg schreitet schnell voran.

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Wind, Sonne und Wasserstoff sollen Kohle und Öl ersetzen. Aber die Energiewende geht zu langsam voran. Es muss sich einiges ändern, sagt RWE-Chef Schmitz.

Die letzten Steinkohlekraftwerke in Deutschland sind schon abgeschaltet und in den kommenden Jahren geht es Schlag auf Schlag bei der Braunkohle weiter. 2030 werden zwei Drittel der Produktionskapazitäten in den Braunkohleanlagen stillgelegt sein und zwei von drei Tagebaubetriebe werden die Förderung beendet haben. Das mag Klimaschützern nicht schnell genug gehen. In der komplexen Energiewirtschaft ist das aber mehr als anspruchsvoll.

Und vor allem wird RWE künftig die Investitionen auf die erneuerbaren Energien konzentrieren. Allein zwischen 2020 und 2022 will RWE fünf Milliarden Euro investieren, hat schon viele Windparks im Bau und noch viel mehr in der Pipeline.

Greenpeace und Co. haben RWE in der Vergangenheit zu Recht an den Pranger gestellt. Ohne die permanenten Proteste würde es den Kohleausstieg und RWEs Neuausrichtung auch vermutlich noch lange nicht geben. Kritisch begleiten müssen sie RWE auch weiterhin. Der Konzern muss seinen Ankündigungen Taten folgen lassen. Inzwischen wäre es aber an der Zeit, auch die Fortschritte anzuerkennen.

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