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14.02.2021

13:57

Kommentar

Die Politik kann sich Visionen leisten, Bahn-Chef Richard Lutz nicht

Von: Dieter Fockenbrock

Die Amtszeit des Vorstandsvorsitzenden wird verlängert. Lutz muss jetzt die Chance nutzen, eigene Akzente zu setzen, anstatt nur Vorgaben zu erfüllen.

Lutz soll den Staatskonzern weiterführen. dpa

Andreas Scheuer (l., CSU), Bundesverkehrsminister, und Bahn-Chef Richard Lutz

Lutz soll den Staatskonzern weiterführen.

Der Vertrag des Chefs der Deutschen Bahn, Richard Lutz, soll um weitere fünf Jahre verlängert werden. Das ist einerseits erstaunlich, weil Lutz 2017 an sich ein Verlegenheitskandidat für den Posten war. Sein Vorgänger Rüdiger Grube hatte unerwartet hingeschmissen, auf die Schnelle musste ein Neuer her, um den größten deutschen Staatskonzern zu lenken. Die Wahl fiel damals auf den langjährigen Finanzchef der Bahn, Richard Lutz.

Andererseits ist die geplante Bestätigung im Amt des Bahn-CEOs auch nicht erstaunlich. Denn Lutz verkörpert den Typus Manager, der eben nicht so tut, als gehöre das Unternehmen ihm persönlich. Lutz ist kein Alphatier, wie viele andere Topmanager. Das würde ihm an der Spitze der Bahn auch nicht gut bekommen. Denn die eigentlich als Aktiengesellschaft firmierende Deutsche Bahn ist seit Jahren auf dem Weg zurück zu einer Staatseisenbahn, die verkehrs- und sonstigen politischen Vorstellungen zu folgen hat.

Die Einflussnahme der Politik auf das Unternehmen wächst mit jedem Tag. Und wenn man sich die Vorstellungen der Grünen-Partei anschaut, die sich gerade aufmacht, künftig auch Regierungsverantwortung im Bund zu übernehmen, könnte man fast befürchten, die Bahn ist auf dem Rückweg zur Behördeneisenbahn. Ein Bahn-Chef, der das nicht auf dem Radar hat, würde sich keine Hoffnung auf eine zweite Amtszeit machen können.

Wie eng die Politik ihr wertvollstes Unternehmen schon wieder an sich gebunden hat, das lässt sich an zwei Personalien festmachen. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist ebenfalls seit 2017 als Vorstand installiert. Auch sein Vertrag wird verlängert. Und seit einem Jahr verwaltet mit Levin Holle ein ehemaliger Spitzenbeamter aus der Finanzverwaltung das Geld der Deutschen Bahn.

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    Trotzdem darf ein Bahn-Chef das Unternehmen nicht nur im Sinne der Regierenden verwalten. Gefragt sind dringend eigene Ideen zur Zukunft der Schiene. Sonst übernehmen andere das. Sie haben es schon getan.

    Lutz muss aus dem Schatten heraustreten

    So ist der sogenannte Deutschlandtakt ein stark politisch forciertes Projekt. Alle großen Städte im Stundenrhythmus mit Anschlussgarantie bis 2030 zu verknüpfen ist eine tolle Idee, aber realistisch betrachtet in diesem kurzen Zeitraum unmöglich.

    Das wissen alle Beteiligten. Nur: Die Politik kann sich Visionen leisten, der Bahn-Chef nicht. Lutz hat sein Zukunftsprogramm „starke Schiene“ genannt. Das spiegelt bislang allerdings weitgehend nur Vorgaben wider, die ihm die Regierungskoalition gesetzt hatte.

    Wenn der 56-Jährige seine zweite Amtszeit nicht dazu nutzt, aus dem Schatten des Berliner Bahntowers herauszutreten, dann wird es keine dritte Amtszeit geben.

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