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14.07.2022

10:29

Kommentar

Die Rüstungsindustrie hat ein Fachkräfteproblem – der Zeitenwende droht im schlimmsten Fall Stillstand

Von: Lazar Backovic

Panzer- und Waffenhersteller hatten bislang loyale Mitarbeiter. In Kriegszeiten wird der Branche mit den gängigen Karrierewegen jedoch das Personal ausgehen.

Im Wettbewerb um die Talente muss die Waffenindustrie flexibler werden. Reuters

Waffen von Heckler & Koch

Im Wettbewerb um die Talente muss die Waffenindustrie flexibler werden.

In der Rüstungsindustrie schien die Arbeitswelt zuletzt noch in Ordnung. Zwanzig oder dreißig Jahre Betriebszugehörigkeit sind in der zugeknöpften Branche keine Seltenheit. Einmal Rüstung, immer Rüstung: Darauf konnte sich die Industrie lange verlassen. Das Problem: Dieses Versprechen gilt so nicht mehr.

Denn der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Spätestens seit Beginn der Coronakrise wächst die Verhandlungsmacht der Beschäftigten. Und diese Macht wächst mit jedem Jahr, in dem noch mehr Babyboomer aus dem aktiven Arbeitsmarkt ausscheiden.

Die nächste Generation ist auf dem Arbeitsmarkt deutlich fordernder, mobiler und flexibler als ihre Vorgänger. Sie legt Wert auf Homeoffice und Work-Life-Balance. Passen die Rahmenbedingungen nicht, gehen sie woanders hin. Mit dieser etwas hedonistischen Einstellung prägen sie die Belegschaften ganzer Konzerne – ob es den Arbeitgebern gefällt oder nicht.

In der Rüstungs- und Sicherheitsbranche ist das durchaus registriert worden, nur verändert hat sich bislang – von ein paar Tagen Homeoffice einmal abgesehen – wenig. Noch immer kommen die Spezialisten von den zwei, drei gleichen Unis. Noch immer ebnen Bundeswehr-Netzwerke die Karrierewege.

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    Darüber hinaus ist der Frauenanteil in den meisten Rüstungsfirmen erschreckend niedrig, ähnlich wie der Anteil internationaler Führungskräfte. Man muss kein Diversity-Forscher sein, um zu wissen, dass eine Branche so auf Dauer nicht vorwärtskommt, was neue Denkweisen angeht.

    Ein Problem für die Bundeswehr

    Fakt ist: Für die von Kanzler Olaf Scholz ausgerufene Zeitenwende sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Denn allein infolge der Ankündigung des milliardenschweren Sondervermögens für die Bundeswehr werden schon heute mehr Stellen in Deutschlands Rüstungskonzernen ausgeschrieben als ursprünglich geplant. Diese werden schwer zu besetzen sein, wenn Karrierewege weiter innerhalb der Unternehmen oder der Branche verlaufen.

    Nicht nur die ausufernde Beschaffungsbürokratie für neue Panzer, Kampfjets und Munition dürfte es damit schwer machen, die Modernisierung der Bundeswehr schnell voranzubringen. Der Fachkräftemangel in der Rüstungsindustrie könnte ein ebenso großes Problem werden. Nur dass sich die Personalnot nicht durch einfache Neuordnung im Beschaffungswesen auflösen lässt.

    Gut für die Branche: Das negative Image der Rüstungsindustrie scheint sich mit Beginn des Ukrainekriegs leicht zu verbessern. Das sollten die Unternehmen für sich nutzen und bislang ungenutzte Potenziale heben, heißt konkret: internationaler, flexibler, moderner und auch weiblicher werden. Sonst könnte die Zeitenwende in der Rüstungsindustrie ausfallen.

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