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11.09.2019

17:50

Kommentar

Die Übernahme der LSE durch die Hongkonger Börse ist zum Scheitern verurteilt

Von: Andreas Kröner

Größe ist im Börsengeschäft grundsätzlich von Vorteil. Doch für eine erfolgreiche Übernahme der Londoner Börse gibt es kaum überwindbare Hürden.

Die überraschenden Avancen aus Hongkong gegenüber der LSE bereiten in der britischen Hauptstadt Sorgen. dpa

Schriftzug der London Stock Exchange (LSE)

Die überraschenden Avancen aus Hongkong gegenüber der LSE bereiten in der britischen Hauptstadt Sorgen.

Deutsche Börse und Euronext, die US-Technologiebörse Nasdaq und die Londoner LSE, Deutsche Börse und LSE – die Liste der geplatzten Börsenhochzeiten ist lang. Und sie wird vermutlich bald noch länger. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Hongkonger Börse (HKEX) mit ihrer 33 Milliarden Euro schweren Offerte für die LSE Erfolg hat, ist äußerst gering.

Das liegt nicht an einer mangelnden betriebswirtschaftlichen Logik. Größe ist im Börsengeschäft grundsätzlich von Vorteil. Darüber hinaus würden sich LSE und HKEX mit ihren unterschiedlichen geografischen Schwerpunkten gut ergänzen.

Doch gerade angesichts des Brexits ist es schwer vorstellbar, dass Politik und Aufsichtsbehörden in Großbritannien grünes Licht dafür geben, dass ein Herzstück des Londoner Finanzplatzes unter chinesischen Einfluss gerät. Auch die USA, deren Finanzkonzerne viele Geschäfte über die LSE abwickeln, wären über einen solchen Schritt sicherlich „not amused“. Die politische Lage in Hongkong erschwert einen solchen Megadeal zusätzlich.

Für LSE-Chef David Schwimmer ist die Situation unangenehm. Denn er muss nicht nur die Befindlichkeiten der Politik im Auge haben, sondern auch die seiner Aktionäre. Diesen muss Schwimmer gute Argumente vorlegen, wenn er das finanziell attraktive Angebot aus dem Fernen Osten ausschlägt.

Die Europäische Union sollte die Offerte aus Hongkong in jedem Fall aufschrecken. Falls der Deal wider Erwarten gelingt, würde das Börsengeschäft künftig von einem chinesisch-britischen und zwei amerikanischen Konzernen dominiert. Der Rückstand der Deutschen Börse, des größten Anbieters innerhalb der EU, wäre gewaltig.

Nach den Banken würden dann auch die Anbieter von Finanzmarktinfrastruktur endgültig den Anschluss an ihre Konkurrenten aus den USA und Asien verlieren. Für die vielfach propagierte, aber bisher kaum vorhandene europäische Kapitalmarktunion wären das denkbar schlechte Voraussetzungen.

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