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27.11.2021

08:03

Kommentar

Die verdächtig perfekte Energiewende der Ampel

Von: Kathrin Witsch

Der Koalitionsvertrag lässt in Sachen Energie und Klima kaum einen Wunsch offen. Dass sich die Pläne auch umsetzen lassen, darf bezweifelt werden.

Ampel-Koalition: Die verdächtig perfekte Energiewende dpa

Erneuerbare Energien

Die neue Bundesregierung will die Ziele deutlich beschleunigen.

Wer einen Blick in die Pläne der künftigen Bundesregierung im Bereich Energie und Klima wirft, muss schon zweimal hingucken. Es scheint, als habe den jahrelangen Forderungen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gemeinden endlich jemand zugehört.

In dem Koalitionsvertrag der Ampelparteien steht all das, was die Herzen der Energiebranche höherschlagen lässt: schnellere Genehmigungen, mehr Sonne, mehr Wind, mehr Wasserstoff. Aber auch neue Gaskraftwerke, keine Erhöhung des CO2-Preises vor 2026 und die Abschaffung der Erneuerbare-Energien-Umlage auf der Stromrechnung. So könnte die Energiewende tatsächlich gelingen.

Die Koalitionäre klopfen sich auf die Schulter. Wohl gemerkt für Maßnahmen, die in keiner Weise neu sind, sondern schlicht und ergreifend überfällig.

Aber wie heißt es so schön: Wenn alle zufrieden sind, ist meistens etwas faul. In diesem Fall könnte das die angepeilte Geschwindigkeit der massiv erhöhten Ziele sein. 80, statt 60 Prozent grüner Strom bis 2030 ist zwar aus Klimasicht höchst wünschenswert, realistisch betrachtet hieße das allerdings auch, dass in den nächsten acht Jahren mehr erneuerbare Anlagen gebaut werden müssen als in den vergangenen 15 Jahren zusammen. Nichts wünscht sich der klimabewusste Bürger mehr.

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    Aber die Erfahrungen der Vergangenheit und die deutsche Bürokratiewut der Gegenwart lassen natürlich große Zweifel aufkommen, ob diese Pläne tatsächliche umgesetzt werden können. Ganz zu schweigen vom erhöhten Rohstoffbedarf bei einem derart beschleunigten Ausbau von Wind- und Solaranlagen.

    Die Metalle für die Energiewende sind aktuell nicht nur so teuer wie nie zuvor, sondern drohen beim weltweiten Boom in den kommenden Jahren sogar erst einmal knapp zu werden. Nichtsdestotrotz ist es ein gutes Zeichen, dass es dank der Grünen überhaupt endlich mal detaillierte Maßnahmen, Ziele und Förderungen in den Koalitionsvertrag geschafft haben.

    Hehre Ziele, wenige Lösungen

    Wer genauer hinschaut, erkennt aber auch, dass es neben all der Euphorie ein paar sträflich vernachlässigte Energiethemen gibt, die es auch weiterhin nicht auf die Agenda geschafft haben.

    Beispiel Wärmewende: Der Sektor, in dem Deutschland mit die meisten Emissionen verursacht, ist das Heizen und Kühlen von Betrieben, Gebäuden und bei Industrieprozessen. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt hier gerade mal bei 15 Prozent.

    Die Ampel-Koalition will diesen Anteil bis 2030 auf 50 Prozent erhöhen. Wie das gelingen soll, steht in dem Papier nicht. Ähnlich verhält es sich beim Thema Elektromobilität. 15 Millionen Stromer sollen Ende des Jahrzehnts auf deutschen Straßen rollen. Auch hier zum „Wie“ kein Wort.

    Der neue Koalitionsvertrag mag ein Paradigmenwechsel in der Energiepolitik sein. Ob diese Politik auch zum Wendepunkt für die Energiewelt wird, muss sich aber erst noch zeigen.

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