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22.08.2022

16:15

Kommentar

Die Wirtschaft macht es sich zu einfach bei der Ausbildungsgarantie

Von: Barbara Gillmann

Die Arbeitgeber sagen: Es gibt genug Lehrstellen, eine Garantie ist deshalb unnötig und schädlich. Doch das ist zu wenig, um das Fachkräfteproblem zu bekämpfen. 

Ein gigantisches Potenzial liegt brach. imago stock&people

Ausbildung in einer Bäckerei

Ein gigantisches Potenzial liegt brach.

Die Arbeitgeber lehnen die von der Bundesregierung geplante „Ausbildungsgarantie“ mit dem Hinweis ab, dass es rein quantitativ in Deutschland weit mehr als genug Lehrstellen gibt. Damit machen sie es sich zu einfach. Denn diese Haltung wird dem langfristig größten Risikofaktor für die Wirtschaftsentwicklung nicht gerecht: dem Fachkräftemangel. 
Hunderttausende Schulabgänger könnten eine Lehre machen, bewerben sich aber oft in den „falschen“ Berufen, in denen es wenig Angebot gibt, oder sie finden nichts in ihrer Region. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die große Masse der Schulabgänger völlig verunsichert ist und die Entscheidung für einen Beruf scheut. Hunderttausende vertrödeln daher Zeit im Übergangssystem. Hier liegt also ein gigantisches Potenzial an künftigen Fachkräften brach – von Busfahrern über Altenpfleger bis zu Installateurinnen von Solaranlagen und Wärmepumpen.
Doch klagen hilft nicht: Unternehmen und Schulen müssen diese Verunsicherung, die durch Corona natürlich noch zugenommen hat, gemeinsam bekämpfen. Die Schulen müssen die Berufsorientierung endlich als zentrale Aufgabe begreifen. Aber auch für die Wirtschaft gilt: Es reicht nicht, nur auf Bewerbungen zu warten.
Es gibt viele engagierte Betriebe, die Mitarbeiter in die Schulen schicken, die dort für ihre Berufe werben und aktiv Schnupperpraktika anbieten, um Azubis zu finden. Aber unter den Ausbildungsbetrieben sind es zu wenige, die einen solchen Aufwand betreiben. Und es gibt generell zu wenig Betriebe, die überhaupt noch ausbilden: Die Quote liegt mittlerweile unter 20 Prozent. 
Natürlich darf es keine Ausbildungsgarantie des Staates in „Wunschberufen“ geben, die dann keiner braucht. Das ist aber ohnehin nicht geplant. Und je aktiver die Wirtschaft selbst wirbt, desto überflüssiger wird eine staatlich organisierte Ausbildung. 

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